#11 - Anlegermythen Teil 1: Warum Timing, Telekom und T-Shirts Sie Geld kosten

Shownotes

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Die 6 goldenen Regeln für rationales Investieren: 1. Ruhe bewahren – Kognition statt Emotion, Volatilität aushalten. 2. Dispositionseffekt vermeiden – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. 3. Einfachheit & Diversifikation – breit streuen, Kern-Satelliten-Strategie nutzen. 4. Antizyklisch handeln – günstig einkaufen, teuer verkaufen. 5. Kosten im Blick behalten – Aktivität gezielt steuern, unnötige Gebühren vermeiden. 6. Pareto-Prinzip nutzen – mit den wichtigsten 20 % der Maßnahmen 80 % Wirkung erzielen.

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Alexandra Weck: Moin moin, heute wieder im Börsenbrain, dem Podcast für Anlegerpsychologie. Und ich habe natürlich heute wieder Nikolas Kreuz hier im Podcast, den Mann, seit über mehreren Jahrzehnten nicht nur Finanzmärkte beobachtet, sondern natürlich auch die menschliche Psyche dahinter versteht wie kaum ein anderer. Und wir wollen heute über was sprechen. Was immer wieder auch Thema ist, und zwar Anlegermythen. Herr Kreuz, schön, dass wir uns heute zu diesem Thema wieder zusammenfinden im Börsenbrain.

Invios: Ja. Moin von der Insel und herzlich willkommen an alle Zuhörer zur neuen Episode.

Alexandra Weck: und ZuhörerInnen.

Invios: So viel Zeit muss sein.

Alexandra Weck: Genau, genau. Also wir wollten heute mal einen sogenannten Schnelldurchlauf für die Anlegermythen machen. Und weil es aber auch so viele gibt, schon mal an der Stelle gesagt, wir machen eine zweiteilige Episode daraus. Also wir gehen heute die ersten vier durch und in der nächsten Episode die nächsten vier Anlegermythen, weil wir ja doch dem Thema immer wieder auch mal Ja, auf den Leim gehen, wenn man so möchte. Also fangen wir mal ... Oder den Grund, genau. Vielleicht fangen wir da mal mit einer psychologischen Falle an, die auch jeder kennt. Und zwar ... Also ... Herr Kreuz, was sind da so Ihre Gedanken zu diesem Anleger-Mythos?

Invios: den Grund. Ja, erstmal mit einem praktischen Beispiel zu starten ist glaube ich ganz gut, alle abzuholen. Man kennt das, wahrscheinlich die Waschmaschine geht kaputt. Man denkt, na, Black Friday ist ja bald, dann spare ich bestimmt 20 % und dann lässt man es durchlaufen. Drei Monate lang waschen sie jede Woche wahrscheinlich dann im Waschsalon. 20 Euro pro Woche sind also rund 240 Euro. Und am Black Friday gibt es tatsächlich dann den Rabatt, die 150 Euro. Glückwunsch, Sie haben dann 90 Euro in Differenz verloren und drei Monate Stress gewonnen. Das ist der Waschmaschinenfall und den gibt es natürlich das Pendant an der Börse. Menschen warten ewig auf den perfekten Einstiegszeitpunkt. Und auch während sie warten, arbeitet die Zeit halt gegen sie. In der Neurofinance nennen wir das den Regret Aversion Bias oder den Regret Aversion Bias. Das heißt also die Angst davor, schlechten Deal abzuschließen. Gehirn versucht dann eben auch, diese Reue zu vermeiden und das führt dazu, dass wir dann lieber gar nicht handeln, statt falsch zu handeln. Wir lieben den Status Quo, man nennt ihn auch den Status Quo-Effekt. Man verpasst also Rendite, ist eigentlich dabei, am Seitenhaus immer zu tippeln und kommt nicht rein in den Markt. Das ist letzten Endes der Punkt und an der Börse ist die wertvollste Währung eigentlich die Zeit. Die kann man nicht zurück kaufen und deshalb ist die Lösung immer wieder buy the dip. Gestern war der beste Einstiegszeitpunkt, der zweitbeste ist heute und wenn man sich das im Hinterkopf behält mit dem Cost Average Effekt immer zur Mitte eines Monats einzusteigen, dann brauchen wir auch diese perfekte Timing-Diskussion gar nicht mehr zu führen.

Alexandra Weck: Und beim Thema beide Dip, ich mein, da fragt man sich ja auch manchmal, welchen Dip, deswegen ihr bester Tipp, und für alle, die da noch mehr einsteigen wollen, wir haben eine ganze Podcast-Episode zum Thema Timing schon mal gemacht, also können Sie gerne auch noch mal reinhören, wir verlinken die auch hier noch mal, die andere Episode natürlich. Aber ihr bester Tipp ist ja, dem zu entgehen, der Sparplan am 15. des Monats.

Invios: Das ist der zweitbeste Tipp. Der beste Tipp hat ja mehrere 10.000 Views gebracht. Das war eigentlich das perfekte Fischbrötchen. Darauf zu warten bringt nichts. Man verhungert am Hafen. Also Fischbrötchen einfach kaufen und essen. Also sofort rein.

Alexandra Weck: Okay, der Zweitbeste. Okay. Okay. Gut, da haben Sie natürlich noch viel mehr recht, genau. Super, der zweite ... Der zweite Bias, und den kenn ich sogar auch von meinen Eltern, Verluste aussitzen. Weil mein Vater hatte dann immer gesagt, Telekom, ich sag's ganz kurz, und die Hörer, das hier schon häufiger gehört haben, kennen die Geschichte. Aber ja, die Telekom, er hat dann immer gesagt, ja der Verlust ist ja nicht realisiert, solange ich nicht verkaufe.

Invios: Womit er ja nicht ganz unrecht hat. es gilt halt auch da, nehmen wir wieder ein praktisches Beispiel, geht ins Restaurant, 25 Euro Menü, man meint, man hat einen Schnapper gemacht, auf jeden Fall in der Schweiz ist es ein Schnapper.

Alexandra Weck: Ja. Mhm. Hier kriegt man nichts für 25 Euro oder Franken. Doch.

Invios: Franken, wahrscheinlich noch nicht mal einen Kaffee. Na sei es drum. Also mal fiktiv gesprochen, man würde für 25 Franken ein Menü bestellen und dann beißt man rein, der erste Bissen schmeckt grauenhaft. Was tut man dann? Teller leer essen oder aufstehen? Die meisten bleiben sitzen, oder? Was würden sie machen?

Alexandra Weck: Ja. Also, ich hab mir das mittlerweile angewöhnt, dass man reklamiert, weil man in der Regel dann doch noch mal was Besseres bekommt. Aber das musste ich auch lernen. Also, ich bin auch aufgewachsen mit diesem, nein, bloß nicht auffallen, nicht beschweren und so. nein, also es lohnt sich dann, und vor allen Dingen am Anfang zu sagen, dass es nicht passt, dass man auch dem Gegenüber die Chance gibt, aber gut, das hat jetzt an der Börse ...

Invios: Ja.

Alexandra Weck: ist es schwieriger. Aber in der Regel, es gibt oft die Leute, die essen dann auf und dann schreiben sie eine schlechte Bewertung im Netz oder beschweren sich dann im Nachgang. also kann ich nachvollziehen. Ja.

Invios: Also wir hatten das damals ja auch schon mal. Schlechte Dates sind immer, also Verluste sind wie schlechte Dates. Am besten, wenn man sich früh beendet. jetzt nochmal zu dem Punkt, darauf zurückzukommen, einen Teller leer essen oder aufstehen. Die meisten bleiben halt sitzen und so wie sie es ja auch korrekt gesagt haben, man kann sich da auch klassisch dekonditionieren. Auch wenn man bezahlt halt der klassische Fall dieser Sun-Cost-Fallacy, der Falle der versuckten Kosten, da gar nicht hinterherzuweinen. Rational betrachtet ist das Geld weg so oder so. Emotional wäre unser Gehirn aber das nicht akzeptieren. Deshalb essen wir weiter, essen es wahrscheinlich auf. ist Gleiche wie bei schlechten Aktien, da halten wir dran fest, nur weil wir immer teuer eingestiegen sind. Psychologisch steckt da auch der Anker-Effekt dahinter und diesen Einstiegspreis, den wollen wir mental auch wieder einholen. Die Börse interessiert aber diese runden Effekte 9,95 Euro, 9,95 Euro oder 24.000 Euro. Das interessiert die Börse nicht.

Alexandra Weck: Mhm. Mhm. Mhm.

Invios: ein Konglomerat von irrationalen Wesen, die da an der Börse dann auch agieren. Und das muss man halt für seine Vorteile nutzen. Und deshalb sollte man Verluste, wenn möglich, wenn man Verluste sieht, unser Gehirn, das gleiche Areal ja auch aktiviert wird, auch Schmerzen, körperliche Schmerzen, die wir da bekommen, da sollte man wirklich dieses Minos relativ schnell für sich akzeptieren und dann eben halt auch loslösen, aufstehen, sagen das Essen schmeckt nicht, das ist es oder und das wäre die andere Lösung an der Börse, wenn man da jetzt nicht zu spekulativ unterwegs ist und in einen nicht zu, ich würde mal sagen, Memestock investiert ist, dann ist Geduld eben halt auch etwas, was teilweise wirklich hilft.

Alexandra Weck: Ja.

Invios: dem Gluteos Maximus die Dinge auszusitzen. Zeit ist da wirklich ein Verbündeter an der Börse. Vorausgesetzt die Aktie ist eben auch eine gute.

Alexandra Weck: Mhm. Ja. Ja, ich kann das so gut nachvollziehen. Ich war vor ein paar Wochen mit einer Freundin hier in Zürich auf einem Event, wo wir uns richtig viel von versprochen hatten. Und es ... Also, es war ein kleines Event, Networking, Vorträge und so weiter. Wir haben wirklich gedacht, wir lernen da etwas Neues. Es war so genau ein Thema, was wir unbedingt mehr zu erfahren wollten. Es ging um Longevity und auch als Anlagetrend und so. Und ... dann saßen wir da ... Und mir tat es total leid, weil ich hab sie dorthin geschleift. Und ich hab selber gedacht, ach du heiliger, ach du heiliges Fischbrötchen. Es war so furchtbar. Und wir haben nichts Neues gelernt, ungelogen. Wir waren auf dem Thema schon zu weit fortgeschritten gebildet. Und dann guckte ich sie nur an und ich so, du sag mal, wenngleich die Pause kurz ist, wollen wir einfach schnell gehen? Und dann sie so, boah, ich dachte, du fragst nie. Und ich so, es tut mir so leid, dass ich dich hierhin geschleift hab. Und es war uns aber so unangenehm trotzdem. Ähm, weil es sich ... Und dann haben wir aber eine andere Frau im Fahrstuhl getroffen, die meinte auch so, ihr flüchtet auch gerade. Und wir so, ja, es ist nichts Neues dabei. Ähm, und dann sind wir essen gegangen, und es war super. ähm ... Und wären wir da geblieben, und das ist genauso, wir hätten uns die ... Und es wär noch anderthalb Stunden weitergegangen.

Invios: Mh!

Alexandra Weck: Wir hatten uns nur noch geärgert und der Abend wäre richtig blöd gewesen. Also wir hatten ein gutes Date zusammen und wir haben es an einen anderen Ort verlegt und noch einen netten Freundinnenabend gehabt. Ja, super, super. Gehen wir zum nächsten Irrtum.

Invios: Perfekt, genauso sollte man es machen, auch an der Börse.

Alexandra Weck: Was würden Sie da sagen? Haben Sie auch wieder ein gutes, praktisches Beispiel, das es wirklich jeder versteht?

Invios: Ja, selber einen sehr, sehr guten Freund, ... Ich hab ein diversifiziertes Depot, da sind 15 Titel drin. Schau dir das mal an. Das Apple, Microsoft, ein Video gab es damals noch nicht, aber eine AMD, Meta, Alphabet, Amazon, also die alle so in den Grundzügen da waren. Auch eine Dell, Oracle. Im Prinzip waren das 15 Werte. nahezu alle im gleichen Sektor unterwegs. Das ist so, wie wenn man wirklich 15 weiße T-Shirts im Schrank hat, hat man nicht viele Möglichkeiten, sich ein bisschen anders anzuziehen. Das ist alles die gleiche Farbe, wenn auch verschiedene Marken. Also da muss man halt drauf... achten, wenn man zu einer Hochzeit eingeladen ist, trotzdem sich nichts anzuziehen hat mit einem weißen Hand, sondern eben auch unterschiedliche Dinge zu tragen hat. diese Cluster-Illusion, wir gruppieren Dinge, die sich ähnlich anfühlen. Faktisch ist es aber das Gleiche und deshalb bei 20 Tech-Aktien, die man dann im Depot hat, hat man keine Diversifikation erzielt. Wenn Tech crash, dann crashen eben auch die 20 Werte. Das heißt, man muss über Länder, über Instrumente über den Sektor breit diversifizieren, über die Instrumente diversifizieren. Das macht es aus, sagt auch schon Charlie Manga, meinte Diversifikation ist halt der Schutz gegen Unwissenheit, aber es ist halt keine Therapie gegen Übermut und wenn man 20 Techwerte drin hat, dann ist man teilweise auch dann schon auch übermütig. Viele Privatanleger betreiben dann unbewusst auch Diversification, also viel zu viel von dem gleichen. Die echte Lösung hatte ich gerade schon angeführt, über Anlageklassen, Regionen, Branchen, Unternehmensgrößen zu diversifizieren. Man weiß, dass es asymptotisch gegen Null geht, ab 15 Werten, wenn man in dem gleichen Sektor unterwegs ist. Also bei 15 bis 25 unterschiedlichen Positionen bitte auch unterschiedliche Instrumente zu nutzen. Dann hat man wirklich einen Diversifikationseffekt und wir haben es an einem ersten Semester an der Uni auch gelernt. Professor Dr. Büschgen. Gott hab ihn selig, sagt er das schon.

Alexandra Weck: Das Buch habe ich auch gehabt.

Invios: ist eine Standardlehre der Bankbetriebslehre und eben auch in der Asset Allocation. Diversifikation ist das einzige Free-Lunch. Also es ist wirklich das Essen, man umsonst an der Börse bekommt. Alles andere ist nicht umsonst und deshalb Multi-Asset, Multi-Strategy, die Dinge breit zu diversifizieren, frei nach Tobin, nicht alle Eier in einen Korb, Anleihen, Rohstoffe, Aktien, Liquidität. dann ist man glaube ich sehr sehr gut unterwegs. Also ein Hafen braucht mehrere Container, Kreuzfahrtschefe und Fischkutter, nicht 20 Container in verschiedenen Farben, sondern eben halt breit diversifiziert. Das ist es.

Alexandra Weck: Das stimmt, ja. Und auch hier haben wir eine ganze Podcast-Episode gemacht. Also eigentlich wollen wir heute nur Werbung für die bisherigen Episoden machen.

Invios: ⁓ Allein, das ist das Wrap-Up, nennt man das ja heute.

Alexandra Weck: Genau. Es ist das Wrap-up für all diejenigen, die wir noch mal abholen wollen oder die vielleicht jetzt erst den Podcast auch entdecken. Das ist ja auch wichtig, dass man dieselbe Geschichte immer wieder auch mal verpackt einfach, weil der eine hat es vielleicht mal verpasst oder wie auch immer. Und jetzt machen wir eben genau da diese Anleger-Mythen, weil es geht ja aufs Jahresende zu. Ist ja auch sind ja auch immer die Monate, wo die Menschen noch mal am meisten was anlegen oder liquidieren, wer Steuern zahlen muss oder so. insofern glaube ich, ist noch mal ganz wichtig, dass wir über das Thema sprechen. Okay, Nummer vier und damit der letzte in der heutigen Episode. Was alle kaufen muss gut sein. Was sagen Sie dazu?

Invios: Absolut. Hm. Ich nenne jetzt mal keine Namen von Restaurants, aber hier wo ich mich befinde gibt es sehr sehr schöne Restaurants auch mit wohl klingenden Namen. Lauf dann an einer Menschenschlange vorbei, 50 Leute vor dem Restaurant. Ich denke wow, das muss ja mega sein. Nach 45 Minuten Wartezeit endlich dann rein und was gibt's? Ganz okayes Essen. Nicht schlecht, aber sicher kein Grund zum Anstehen. Daneben ein kleines Bistro leer, aber fantastisch, das ist Herdenverhalten in Reinform. Selbst das, was ich an der Börse dann eben halt auch klassisch mühevoll dekonditioniert habe mit vier Schmerzensgeld, das Herdenverhalten in Reinform, das ist Social Proof. Das kann man nur mühevoll eben halt auch dann entlernen, sage ich jetzt mal so. Wenn das halt viele tun, dann kann das ja auch nicht falsch sein, denkt man. Das ist evolutionär auch sinnvoll. Wir waren immer in der Herde, da fühlte man sich wohl. Die Kranken wurden mit der Herde mitgetragen. Das heißt also auch in der Herde ist man da sicherer. ja, an der Börse ist eben halt dieser Effekt der Herde nicht sehr gut. Ich hatte heute Morgen schon Börsenradio, Interview, Altmeister Aiko Thieme hat das auch sehr schön auf den Punkt gebracht. Ich meine, er hat nur ein Zitat von mir verlängert, aber In der Herde schaut man nur auf den Hintern des Vordermannes, so mal salopp gesprochen.

Alexandra Weck: Ja, das ist ein Original von Ihnen, das stimmt.

Invios: Super, dann haben wir das ja auch schon geklärt. Aber die Masse hat er halt oft recht, aber eben halt auch zu spät. man sieht das ja, GameStop Rally, die Cannabis-Aktien, die NFTs, war alles kollektive Euphorie, momentan haben wir das ja auch. Dann steckt das auch noch mit FOMO an, also Fear of Missing Out, auch darüber hatten wir ja schon eine Episode laufen. Neurobiologisch wird dabei das Belohnungssystem aktiviert, da haben wir einen Dopaminausstoß, der

Alexandra Weck: Mhm.

Invios: überflutet das Gehirn und dann handeln wir halt impulsiv und das ist schlecht. Die Lösung liegt auch ganz klar auf der Hand. Immer kritisch denken, das Gehirn einschalten mit dem Neocortex, dem kognitiven Verfahren, die Dinge nicht impulsiv zu betrachten, vielleicht auch eine Nacht drüber zu schlafen, das haben uns unsere Eltern ja beigebracht, da eben halt auch kritisch die Dinge zu reflektieren. ich, weil ich überzeugt bin oder weil ich eben halt, weil alle es kaufen und ich nur hinterher laufe. Da auch nochmal mit Warren Buffets Zitat, was ich auch heute Morgen schon gebracht habe, aber es ist halt ein Klassiker. Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und sei gierig, wenn andere ängstlich sind. Dann hätte man wahrscheinlich auch März 2020 den Corona-Crash sehr, sehr gut performen. Man hätte auch jetzt im April. Super.

Alexandra Weck: Ja, ich hab gekauft damals.

Invios: Also immer wenn ich bei meinen Vorträgen genau dieses Beispiel nehme, dann sehe ich auch immer ein, zwei Hände, aber viel interessanter ist das Gesicht, was dahinter steckt und die grinsen alle breit übers Gesicht und alle anderen sagen, verdammter Axt. Und dann kommt wieder so ein April wie dieses Jahr, wo am 6. April dann Donald Trump im Rosengarten irgendwas von Terrace faselt und am Ende die Börse auch wieder 25 Prozent. in der Spitze verloren hat und wer hat dann da auch herzlich zugegriffen. Also zu Corona-Zeit haben wir immer uns gebückt und nach Nudeln und nach Klopapier gegriffen, statt Aktien unten am Boden einzukaufen. Deshalb alles verkaufen, Panik pur. Da sollte man kaufen, ruhig bleiben, Neo-Kortex anschalten oder auf den Norddeutsch auch gut gesagt nur, weil alle zur Reeperbahn rennen, sind dort nicht die besten Fischbrötchen.

Alexandra Weck: Aber trotzdem eine Sache, ich würde ja auch nie in ein Restaurant gehen, wo nichts los ist. Weil dann würde ich auch denken so, huuuh, vielleicht die nächste, ja, es kommt glaube ich drauf an. Ja, ich glaube das muss man für sich individuell entscheiden. Aber normalerweise...

Invios: Das war ein guter Essen.

Alexandra Weck: Aber auch mit dem Schlange stehen, ist interessant, ich sag da auch, nee, ich geh nirgendwo hin, wo ich erst mal draußen warten muss. Also es gibt ja so Luxusbekleidungsläden, wo ich jetzt keine Marken nennen will, wo einfach zum Geschäftsmodell gehört, dass immer mehr Leute draußen stehen als drinnen sind. Und im Münchner P1 ist es übrigens genauso. Es müssen immer mehr Leute draußen sein als drinnen, weil das den Hype ... das Dabei-Sein natürlich anfeuert. Ja.

Invios: Richtig. Der Mythos, das Schleifchen, all diese ganzen Dinge, wir eben halt auch an der Börse und auch dank ihres Einsatzes über die diversen Podcasts jetzt ja auch zusammenfassen. die Timing Illusion, dieses Regret Aversion. Man kann das auch alles gut googeln. Suncoast Fallacy hatten wir heute als Schmerzvermeidung. Clustering Illusion, diese falsche Diversifikation und das Herdenverhalten. Das ist Social Proof und FOMO. Da muss man eben mal drauf achten. Und wenn man diese Mechanismen für sich verstanden hat, dann kann man automatisch bessere Anlageentscheidungen treffen. Wir verstehen unser Gehirn besser auch, wenn wir in der Schlange stehen bei all den Labeln, die wir jetzt nicht nennen wollen. Wir müssen nur für uns unterm Strich feststellen, Denkfehler, die kosten halt Geld. Und wir müssen darauf achten, dass wir über Emotionen, Medien, Stress, was auch verteilt wird. dass das unsere guten Anlageentscheidungen sabotiert. Deshalb ist es ganz wichtig, der Börse gewinnt der, der eben halt klar denkt, wer nicht am lautesten redet, sondern wer am ruhigsten handelt, den ist die Börse wirklich ein wunderbarer Platz. Und auch im Zug auf die Altersvorsorge, vor all die Debatten, die wir jetzt aktuell führen, wir müssen mehr Geld in produktive Verwendung bringen und da ist die Börse ein sehr, sehr guter Platz. Wer mal nicht spekuliert, sondern investiert.

Alexandra Weck: Besser könnte ich die Episode für heute nicht abschließen.

Invios: Doch! Man könnte es so machen.

Alexandra Weck: Ja, okay. Gut, also, Herr Kreuz, vielen Dank für diese Einblicke. Auch von der Sonnenseite des Lebens, ja. Deswegen vielleicht, okay, wie könnte man das jetzt noch abschließen? Ne, also ... Genau, genau. Ne, ich wohne ja in der Schweiz und hier wird sich länger verabschiedet. Ja, das hat eine gewisse Dramaturgie.

Invios: Und Tschüss! So schnell kann es in Hamburg sein! Okay.

Alexandra Weck: vielleicht für alle, die es noch nicht kennen, aber wenn der Schweizer sagt also, dann ist das eine Einladung, in naher Zukunft das Gespräch zu beenden. Aber dann kann es auch noch ein paar Minuten dauern. Aber das wollte ich gar nicht an der Stelle sagen. Aber nur vielleicht an dem Punkt, es geht uns, glaube ich, allen besser, wenn wir unsere Emotionen im Griff haben, wenn wir verstehen, was woher kommt. Wir machen weniger Fehler. Und ... Wir sind besser vorbereitet auf vielleicht die Altersvorsorge, können uns dann doch mehr gönnen, wir es heute können. Also auf jeden Fall investieren, nicht spekulieren, wie Sie schon gesagt haben. Und ich freue mich dann auf die nächsten vier Weisheiten in der nächsten Episode von Börsenbrain. Und Tschüss.

Invios: Und tschüss!

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