#13 Warum Selbstständige an der Geldanlage scheitern – und wie Sie es vermeiden
Shownotes
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Die 6 goldenen Regeln für rationales Investieren: 1. Ruhe bewahren – Kognition statt Emotion, Volatilität aushalten. 2. Dispositionseffekt vermeiden – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. 3. Einfachheit & Diversifikation – breit streuen, Kern-Satelliten-Strategie nutzen. 4. Antizyklisch handeln – günstig einkaufen, teuer verkaufen. 5. Kosten im Blick behalten – Aktivität gezielt steuern, unnötige Gebühren vermeiden. 6. Pareto-Prinzip nutzen – mit den wichtigsten 20 % der Maßnahmen 80 % Wirkung erzielen.
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Alexandra Weck: Herzlich willkommen wieder mal zum BörsenBrain, Podcast für Anlegerpsychologie. Und heute geht es auch wieder um ein Thema, was sehr, sehr wichtig ist für viele von unseren zuhörenden Fans, hoffentlich. Und natürlich habe ich an meiner Seite wieder Nikolas Kreuz, das absolute Brain, wenn es um Anlegerpsychologie geht. Und Herr Kreuz, Sie sind ja so nah auch am Thema dran, dass wir die Podcast-Episode ja von heute Morgen auf heute Abend verschieben mussten, damit Sie heute Morgen noch mal schnell am Markt dabei sind.
INVIOS: korrekt oder entsprechend nicht dabei, wenn der Markt fällt. Das ist uns ganz gut gelungen. Aber danke der Nachfrage.
Alexandra Weck: Sehr gut, sehr gut. Ja, das muss man ja auch mal, finde ich, transparent machen. Weil das ja genau das ist, was Sie in Ihrer täglichen Arbeit ja auch ausmacht. Ihre Kunden werden zuerst priorisiert. Und wenn Sie der Meinung sind, Abend um 10 Uhr, dass am nächsten Tag vielleicht noch was passiert, dann schieben Sie auch mal das nette Podcastgespräch mit mir nach hinten, um zuerst im Sinne der Kunden agieren zu können.
INVIOS: korrekt und es zeigt ja auch ihre Flexibilität. ist einer der wesentlichen Bausteine, erfolgreich selbst und ständig zu sein oder ständig selbst.
Alexandra Weck: Und damit haben sie eigentlich schon die perfekte Überleitung gebracht, denn wir wollen heute über auch Anleger, Irrtümer von Selbstständigen oder auch Unternehmern sprechen. Und dabei geht es aber bewusst jetzt nicht Unternehmer mit großen Unternehmen, sondern auch wirklich die kleineren Unternehmen, KMUs oder auch die Soloselbstständigen, von denen es ja in Deutschland, aber auch in der Schweiz relativ gibt und Herr Kreuz, wir beide sind ja auch in dieser Kategorie. Deswegen dachte ich, das ist heute mal ein spannendes Thema, was wir beleuchten können.
INVIOS: Auf jeden Fall.
Alexandra Weck: Also, bevor wir dann jetzt in das Thema auch einsteigen, hab ich noch mal eine Statistik mitgebracht. Aber vielleicht erst mal die Frage an Sie. Was schätzen Sie denn? Wie hoch ist die Anzahl der selbstständigen Quote in Deutschland in Prozent? Also alle Erwerbstätigen. Wie viele davon sind dann Selbstständige?
INVIOS: schätze mal etwa 10%.
Alexandra Weck: Fast, also ganz knapp, 10 % derer sind Männer, 6 % sind Frauen und insgesamt ergibt sich eine Selbstständigenquote von 8,5%. Und das klingt jetzt erst mal nicht so viel, aber Deutschland ist ja auch ein großes Land und das sind schon einige Millionen, wenn man das natürlich dann hochrechnet. Und was spannend ist, 80 % aller Neugründer scheitern in den ersten drei Jahren und die meisten auch im ersten Jahr. Das soll aber heute nicht das Thema sein, weil wir wollen ja auch über die Anlegermythen sprechen. Jetzt haben wir die Selbstständigen. Davon würde ich aber auch noch mal schauen, wie viele KMU gibt's denn so auch in Deutschland? was schätzen Sie denn da, wenn wir mal die Unternehmen nehmen, die es in Deutschland gibt? Also Unternehmen 100 Prozent. Wie viele davon sind KMU?
INVIOS: Ja, die ist natürlich viel, höher. schätze mal, dass sie da bei 40 Prozent liegen. Aber viel, viel wichtiger auch ist, wieso die KMUs oder Kleinunternehmer eigentlich innerhalb von drei Jahren scheitern, Insolvenz anmelden müssen. Das löse ich auch gleich noch auf. Da hatte ich nämlich auch schon mal eine Statistik
Alexandra Weck: Ja? Sehr gut, wunderbar. Aber Herr Kreuz, müssen wir dann auch noch mal machen, weil die KMU sind auch viel, mehr. Da haben sie so daneben gelegen. Es sind nämlich 99 Prozent aller Unternehmen, die in Deutschland sind, sind KMU.
INVIOS: Ja, aber das ist doch super. Da kann ich auch mal dann völlig daneben liegen. Das ist in Ordnung. Oder? Ja. Nee, nochmal machen.
Alexandra Weck: Ist das okay? Ja, gut. Okay. Okay, und wenn wir jetzt auf die Unternehmen gehen, also von allen Unternehmen, es in Deutschland gibt, was schätzen Sie, wie viele davon sind ein sogenanntes KMU in Prozent?
INVIOS: 4xDAUM 80 %
Alexandra Weck: Ja, fast. Es sind 99 Prozent. Das heißt, es sind 3,4 Millionen KMU in Deutschland. Und von diesen 3,4 Millionen sind zwei Millionen Einzelunternehmer. Und nur 810.000 Kapitalgesellschaften. Die Zahlen blende ich auch gerne noch mal in den Show Notes ein. Die gibt's alle beim Statistischen Bundesamt. Aber ich find das krass, wie viele das wirklich auch sind. Ja, also ...
INVIOS: Spannend und wissen sie wieso die meisten nach drei Jahren aufgeben müssen? Das ist die Koffe.
Alexandra Weck: Wegen der Steuervorauszahlung, schätze ich.
INVIOS: Ne, grundsätzlich ist es, weil sie die Kosten nicht in den Griff bekommen. Die meisten Existenzgeründungen scheitern daran, dass man zu viel ausgibt, zu wenig Einnahmen, das ist natürlich auch in Saldo, aber dass man am Anfang nicht die Kostenkontrolle hat. Das ist der größte Fehler, man machen kann, wenn man selbstständig ist, dass man nicht die Kosten und der Kontrolle hat.
Alexandra Weck: Okay, now. Ja, gut, haben Sie natürlich recht. Das soll aber heute nicht unser einziges Thema sein, sondern wir wollen ja vor allen Dingen auch über die Anlagemythen sprechen und was eben für Unternehmer oder auch Selbstständige auch natürlich wichtig ist. Denn die haben ja auch andere Herausforderungen. warum? Ich meine, Sie sind ja auch Unternehmer. Ich hoffe, Sie haben Ihre Anlage im Griff. Davon gehe ich jetzt einfach mal aus. Und sie sind ja auch schon ein paar Jahre erfolgreich mit ihrem Unternehmen am Markt und auch gut etabliert. Und man sieht das ja auch, wie viele Fans sie immer haben auf den Börsentagen, die Fotos mit ihnen machen wollen und auch ihre Kundenbewertungen im Internet. Also alles sehr, sehr positiv. Und das zeigt ja auch, sie haben ja auch die ersten drei Jahre überstanden. Sie sind immer noch da. Das bedeutet, sie machen auf jeden Fall die Fehler nicht. Ja, das muss man ja dann an der Stelle auch so.
INVIOS: Dürfen Sie. vielleicht andere.
Alexandra Weck: Genau, aber was sind so die Herausforderungen bei Unternehmern oder Selbstständigen, wenn es das Thema Anlage auch geht, im Vergleich zu Angestellten zum Beispiel?
INVIOS: Ja, weil Selbstständige in der Regel ja die Jongleure der Wirtschaft sind. halten unterschiedlichste Bälle in der Luft, Kundenrechnung, Mitarbeitersteuern. Man hat ein Sammelsurium an Themen, in denen man gleichzeitig eben auch Dirigent sein muss, delegieren muss, aber in Teilen einfach dann den wichtigsten Ball oder einer der wichtigsten Bälle, die eigene Altersvorsorge. die fällt halt runter. Keine Betriebsrente, keine Arbeitsgeberzuschüsse, unregelmäßiges Einkommen oder Einnahmen. Das ist so quasi wie eine Slackline über die Altstar. Das funktioniert halt nicht. Wer das Spiel versteht, kann letzten Endes auch Vermögen aufbauen, während man in diesem Hamsterrad in den ersten Jahren tritt.
Alexandra Weck: Okay. Und ich habe jetzt gesagt, wir wollen ja auch mal ein paar Irrtümer oder so die gängigen Fehler von Selbstständigen beleuchten. was mir ja dann auch oft über den Weg gelaufen ist, so das Thema, mein Business ist meine Altersvorsorge. Daher, wenn wir jetzt mal ein klassisches Beispiel nehmen, also ... Eine Bäckerei haben Sie da auch mal was Sie haben bestimmt auch den einen oder anderen Selbstständigen oder Unternehmer unter Ihren Kunden. Sie sind ja da auch in Hamburg an der Quelle. Da gibt's ja viele Kaufleute und Unternehmer. Was bekommen Sie da so mit? Also, wir mal den Bäcker nehmen. Was machen wir da? Wie ist das?
INVIOS: Ja, sehr ähnlich. treffe so häufig Bäcker wie das Fischbrötchen in Hamburg. Da haben wir dann wieder den klaren roten Faden. 30 Jahre lang Brötchen backen mit Herzblut, mit Schweiß, vielleicht auch mit Mehlstaub. Tolle Firma gegründet und dann hat man mit 60 ein Bandscheibenvorfall. Kein Nachfolger gesorgt.
Alexandra Weck: Ich wusste, dass das jetzt kommt. Hm.
INVIOS: Die Käufer bleiben vielleicht aus, weil sich ein größeres, ein besseres Angebot... die Bedürfnisse geändert haben bei den Nachfragern. Im Ergebnis, der Ofen wird dann kalt und die Altersvorsorge hat damit gar nicht angefangen. So eine typische Neurofinance-Falle, in die man immer wieder gerät, ist der Identification-Bias. Man verschmilzt emotional mit seinem Unternehmen, man geht alles sich rum. Das Ego sagt, mein Betrieb bin ich und ich bin unbesiegbar. Da kommt dann dieser Overconfidence-Bias auch mit rein.
Alexandra Weck: Mhm. Mhm. Mhm.
INVIOS: Die Lösung ist eigentlich wirklich mindestens 20 bis 30 Prozent der Gewinne privat rauszuziehen oder eben halt extern zu investieren. Wer 100 Prozent im Vermögen Zeit, Herzblut in dieses Assets steckt, hat halt ein Klumpenrisiko in Form dieses Unternehmens, egal welche juristische Struktur, juristische Person, Einheit man es auch bringt. Das Klumpenrisiko bleibt halt bestehen. Deshalb als Hamburger Kaufmann würde ich sagen, setze nie dein Kapital komplett auf ein Schiff, ist halt im Sturm alles weg. Das ist Freides-Tombing-Prezip. Nicht alle Eier in einen Korb, sondern breit diversifizieren Risiken.
Alexandra Weck: Mhm. Mhm.
INVIOS: Risikostreuung ist angesagt.
Alexandra Weck: Okay, weil man sagt ja doch auch, und ich glaube, das ist vielleicht auch dann gerade schwer, wenn man das Unternehmen aufbaut, weil man möchte ja auch wachsend skalieren und dementsprechend steckt man natürlich erstmal alles, was irgendwie da ist, auch wieder in dieses Unternehmen rein. Aber sie sagen jetzt im Prinzip, okay, trotzdem auch immer schon was beiseite packen.
INVIOS: Ja, richtig. Oftmals sagt man ja auch, ich habe keine Zeit dafür, für die Geldanlage. Ist ja einfach. Man kann da ja auch auf Profis zurückgreifen. Und keine Zeit für dieses wichtige Thema halte ich für einen der Kardinalfehler. Das haben wir letzten Endes auch bei der Frühstarterrente, was im nächsten Jahr ja für junge Kinder, für Säuglinge ganz wichtig wird, dass man möglichst früh beginnt. Das haben wir ja auch in unterschiedlichen Episoden für Großeltern, für Eltern ja durchaus schon.
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: aufbereitet. kann man ja gerne mal einfach zurückschauen, dass die Zeit der einzige Verbündete ist bei der Kapitaleinlage, Fehler auszumerzen und eben halt über den Zinseszinseffekt auch wirklich Renditen zu erzielen. Das ist also der Klassiker. Unternehmer hat kein Zeit, irgendwann mal wird es dann halt zum Problem. Das ist Temporal Discounting in der Neurofinance. Das Gehirn lebt kurzfristige Belohnungen, da ist der Erfolg in der Bäckerei, in der kurzfristigen Unternehmung, aber alles was so 20, 30 Jahre
Alexandra Weck: Ja.
INVIOS: zurück ist, das schiebt man zur Seite. Aber nicht handeln ist halt auch eine Entscheidung und die ist in unserem Geschäft extrem teuer. Zehn Jahre das auf dem Girokonto liegen lassen, ohne Sicherheitsnetz, ist schleichen Substanzverlust. Das wissen wir über die Inflation, die das peu à peu zwei Prozent und mehr wegfrisst. Das ist kein Sicherheitsnetz und das ist auch dann nicht von Diebstahl sicher. Im Prinzip ist es eben halt nicht inflationsgeschützt.
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: Frühzeit ist, sich damit zu beschäftigen und auch vielleicht mit kleinen Schritten zu beginnen, das ist wichtig. Auch über eine Automatisierung nachzudenken, auch da die Sparplanlösung Daueraufträge durchlaufen lassen, zum 15.1. Monats Multi-Asset-Lösungen zu wählen, sich gar nicht irgendwie in einen Subindex zu bewegen, das viel zu volatil, sondern den breiten Markt für sich.
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: Produktivkapital entfalten zu lassen und dann eben mal diszipliniert wirklich durchzusparen. Das ist das oberste Gebot. Nochmal die Zeit spielt für einen, das Geld arbeitet und wenn man das Geld für sich arbeiten lassen ist noch viel besser als wenn man für sein Geld arbeiten muss.
Alexandra Weck: Beim Thema Zeit haben wir ja gerade die Überleitung zum zweiten Übertum, also dieses Thema, ich habe keine Zeit für Geldanlage, weil selbst und ständig, haben wir gerade eben ja auch schon mal gehört, wie, was ist so das Lieblingsbeispiel für, ich habe keine Zeit, wie wirkt sich das am Ende aus?
INVIOS: Ja, exponentiell. Die ersten 18 Jahre, das haben wir ja schon auch in den vorherigen Episoden.
Alexandra Weck: Beim Unternehmer, nicht beim Kind. Wir sind heute bei den Selbstständigen. Auch wenn ich weiß, dass die Kinder ein Herzensthema sind. Sehr schön.
INVIOS: Ist der Unternehmer nicht auch im Herzen ein Kind? Also beim Unternehmer wirkt sich natürlich auch so ein Zeitstrahl genauso aus wie bei einem Kind. Es ist dann vielleicht bisschen weiter nach hinten verlagert, aber 18 Jahre nicht anzusparen oder auch nur 10 Jahre nicht anzusparen oder auch nur 5 Jahre nicht den Zinseszinseffekt zu nutzen und die Entwicklung an Produktivkapital daran nicht zu partizipieren, wirkt sich genauso desaströser aus. Also auch da eine Disziplinierung mit Mental Accounting, bestimmtes Konto befüllen und das über den Sparplan in Multi-Asset-Lösungen möglichst breit über kostengünstige ETFs oder leistungsfähige Multi-Asset-Fonds zu investieren und es laufen zu lassen, ist eines der obersten Gebote. Man hat dann ja auch eine Möglichkeit, so etwas zu lombardisieren. Falls man Geld benötigt, kann man auch auf das Geld zurückgreifen, ohne Kapital zu veräußern, also sprich, Fondsanteile zu veräußern, sondern wenn man beleiht, dass wir ähnlich wie die Hypothek auf eine Immobilie, soll jetzt hier keine Erfehlung sein, aber im Notfall ist das wie ein Airbag. Und man kann täglich
Alexandra Weck: Mhm. Mhm. Und es wäre eine Alternative zu einem teuren Kontokorrentkredit oder einer Überziehungslinie.
INVIOS: haben auch die Ausgabe. Absolut, es ist wesentlich günstiger und zur Not könnte man halt auch diese Fondsanteile verkaufen, ⁓ umzuschichten und das eigene Unternehmen vielleicht dann auch dahin gehen zu stabilisieren. Viele Unternehmer kennen das, gerade am Anfang ist halt die Cash-Burn-Rate hoch und Liquidität ist eigentlich der Engpass bei jeder Unternehmensgründung.
Alexandra Weck: Mhm. Ja, stimmt. Kann ich nachvollziehen? Kenn ich. Ja, das ist die ersten Monate genau das Thema. Und gerade wenn man ja jetzt auch Unternehmer hat, die vielleicht ein kapitalintensives Business haben, also mit Lagehaltung oder wo man investieren muss, wieder Umsätze zu machen, dann ist das ja auch wichtig.
INVIOS: Korrekt.
Alexandra Weck: Okay, das bedeutet, das Nichthandeln kostet also mehr, als wenn man einfach handelt und entsprechend die Themen umsetzt. Und auch, man, ich sag mal, selbstständig ist oder auch Unternehmer, gerade dann lohnt es sich auch oft mit einem Experten noch mal zu sprechen, weil man einfach, wie gesagt, sonst viel mehr Opportunitätskosten hat, als wenn man gar nichts tut. Wir Unternehmer sind ja auch hoffentlich oder oft Meister im Priorisieren. Das bedeutet, man muss ja immer auch schauen und jonglieren, so wie sie ja auch gestern Abend dann geschrieben haben, morgen früh priorisiere ich erstmal den Markt zu beobachten und zu schauen, ob man was tun muss oder eben nicht. Und ich glaube, das sollte man dann auch bei der Geldanlage eben auch natürlich tun. Sonst ist es eben auch zu spät. Genau. Und ja dann der dritte Punkt, den wir ja auch oft haben bei Unternehmern, dass man sagt, erst alle Schulden bezahlen und dann investieren. Also was halten Sie davon? Weil viele Selbstständige haben ja auch Kredite. Also wir hatten es ja gerade eben kurz angesprochen. Kontokorrentkredit, Überziehungslinien und all so Sachen. Ja, wie sehen Sie das? Und haben Sie da vielleicht ein Beispiel, so ein Handwerker vielleicht oder? Was meinen Sie?
INVIOS: Ja, man kann es auf alle emotionalen Wesen umlegen. Das ist so bekannt, Loss Aversion. Man will schnell die Schulden emotional, weil sie sich schwer anfühlen, auch schnell loswerden. Deshalb meint man halt nicht, in andere höher rentierliche Assets zu investieren, sondern erstmal Schulden abzubauen. Aber auch da der Schmerz, Schulden, die man da ja auch hat. Die wirken auch im Gehirn etwa zwei, 2,3, 2,5 Mal stärker als die Freude über eine gewisse Rendite. Aber wenn wir uns mal, und so lernt man das auch an der Universität, sich mal das ganz unemotional anschaut und nur faktenbasiert, ist es eine klassische Opportunitätsrechnung. Also die Opportunität, wenn man in die Mathematik rüber wechselt, was kostet ein Firmenkredit, mal angenommen.
Alexandra Weck: Mhm. Mhm.
INVIOS: Man kriegt wirklich die drei oder vier Prozent, aber das Depot macht etwa sieben Prozent oder auch in diesem Jahr ohne Probleme zehn Prozent. Dann wäre man ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn man die Schulden für drei oder vier Prozent tilgt. Man hat einen Renditevorsprung von dem Doppelten oder dem Dreifachen, weil die Rendite einfach höher ist in einer anderen Assetklasse. Da kommt dann so das Gefühl sehr, sehr teuer. Da muss man wechseln vom Emotionalen zum Mathematischen.
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: Das wäre klug als Kaufmann.
Alexandra Weck: Das klingt aber erst mal auch so kontraintuitiv.
INVIOS: Ja, richtig. Wie so vieles. Wenn es so einfach wäre und wir eben halt irrational an der Börse agieren, dann verliert man halt nur Geld. Deshalb ist es ja so schwierig an der Börse auch Geld zu verdienen, außer man hat die Erfahrung und weiß, dass man genau gegen diese Emotionen hin ansteuern muss, anders investieren muss. Als kluger Kaufmann nützt man günstiges Fremdkapital, eben halt das Eigenkapital für sich arbeiten zu lassen. Und hochverzinsliche Konsumschulden.
Alexandra Weck: Mhm. Mhm.
INVIOS: Das ist jetzt halt nicht das produktive Kapital, aber wenn man es wirklich investiert, dann finde ich es absolut sinnvoll und da ist es letztendlich nur ein Vergleich der unterschiedlichen Zinsen, einfach den klaren Menschenverstand auch entscheiden zu lassen. Das ist wichtig, weil es sich über die Jahre hinweg auch wieder über den Zinseszinseffekt akkumuliert und extra...
Alexandra Weck: Mhm. Ja. Mhm. Ja. Ja, also das heißt, auch hier kann man nicht sagen, pauschal, sondern wirklich sich hinsetzen, rechnen, schauen, wie hoch sind wo die Zinsen, wie hoch ist die Belastung. Das bedeutet, wenn halt eine Belastung hoch ist, dann macht es Sinn, zu tilgen. Weil das ja sonst macht einen ja anderswo wieder unflexibler. Aber wenn die Zinsen per se niedriger sind, dann macht es nicht Sinn, aggressiv zu tilgen, sondern erst mal weiterhin die Raten so vielleicht zurückzuzahlen und dann gleichzeitig schon mal auch zu investieren. Ja, ja, okay.
INVIOS: Absolut.
Alexandra Weck: Das heißt, hier lohnt es sich auch, immer noch mal mit einem Fachmann oder Fachfrau drüber zu schauen. Dann bei dem nächsten Thema, was wir auch immer wieder hören oder haben. Als Selbstständiger braucht man ja nur Liquidität. Ich meine, wir haben eben schon gesagt, ja, ist wichtig, Cashflow ist wichtig, gerade in den ersten Jahren. Aber zu viel Cash, das klingt jetzt auch nach einem Luxusproblem. Wie sehen Sie das?
INVIOS: Ja, das sehe ich immer häufiger auch bei etablierten Unternehmen, die dann 200.000, 500.000 Euro auf dem Geschäftskonto liegen lassen und sich vor Augen führen, Liquidität ist wichtig, damit ich nicht insolvent werde. Das hat ja nichts mit einem Konkurs zu tun, aber man kann da über unterschiedliche Fristigkeiten dieses Geld rentierlich anlegen.
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: darf sich da nicht wundern, wenn das nur auf dem Cash-Konto liegt, dass es eben halt jedes Jahr weniger wird. Wir hatten ja gerade über die Inflationsraten gesprochen eventuelle Kosten, die auch noch da mit reinrechnen und dieses ganze theoretische Konzept ist da mit Einverständnis eben halt auch wiederum ein Raub von der Bank, weil die legen das Geld letzten Endes auch wieder bei der EZB für höhere Zinsen an. Das heißt, psychologisch liege ich in so einer Illusion of Control, also in so einer Geld...
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: Illusionskontrolle meine ich, ich Kontrolle über das Geld, aber das Geld ist da nur giral auf dem Konto fixiert. Man sieht das in einzelnen Zahlen, aber im Prinzip arbeitet es woanders und sehr viel höher rentierlich. Deshalb meine Empfehlung auch nicht nur für Selbständige, für Unternehmer, sondern auch insbesondere auch für Privatkunden. Wir wissen, dass da ein hoher einstelliger Billionenbetrag
Alexandra Weck: Mhm.
INVIOS: in Euro, in Europa einfach da niederliegt und täglich sich verringert, weil die Inflation es wegfrisst. Weil Menschen, etwas auf dem Cash-Konto oder auf dem Firmenkonto haben, die meinen nur kurzfristig, das dort liegen zu lassen. Und im Schnitt sind es sieben Jahre, wenn man dieses Geld dann auf den Konten liegen lässt. Und sieben Jahre das in der Anlage zu bringen bei 6,5, 7 Prozent.
Alexandra Weck: Ja. Das stimmt.
INVIOS: Netto-Rendite pro Jahr, wenn man es international streut und das in Produktivkapital investiert, ist das natürlich die schlechteste Lösung. Also auch da wirklich in so einem Dreikontenmodell zu überlegen, Betriebskonto drei bis sechs Monate, welche Kosten habe ich, das halte ich vor. Dann gibt es halt so ein Notfallkonto, wo man da einfach über eine längere Fristigkeit zwischen sechs und zwölf Monate nachdenkt. Und dann gibt es halt das Anlagekonto. Darüber hinaus kann man dann eben auch täglich über dieses Cash als Feuerlöscher
Alexandra Weck: Hm. Mhm.
INVIOS: fungieren bzw. über dieses Geld verfügen. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern das hat eben auch dann wirklich etwas, wenn man sagt, da wird ein Teil sehr hochrentierlich angelegt, der ist eben nicht kurzfristig verfügbar, ein mittlerer Teil ist wiederum schneller verfügbar und das, was ganz kurzfristig verfügbar ist, ist halt niedrig rentierlich angelegt, aber gibt einem eben dieses gesamte Gefühl, man hat zwei Drittel zumindest halbwegs in einer ordentlichen Anlage, in einer ordentlichen Verzinsung.
Alexandra Weck: Hm. Okay. Und gibt's da auch wieder ein schönes Hamburger Beispiel, was wir benutzen können?
INVIOS: Naja, Hamburg braucht Wasserreserven, aber wahrscheinlich nicht das gesamte Meer, so wie wir es ja auch sehen, der Rest bei Bedarf. ⁓
Alexandra Weck: Sehr gut, sehr gut. Und Sie arbeiten ja auch dann mit Unternehmern. Da gehe ich jetzt richtig von aus. Also wenn jetzt jemand zuhört, der sagt so, Mensch, ich könnte da eigentlich auch mal einen Fachmann, Spezialisten gebrauchen, dann kann man Sie also auch jederzeit kontaktieren.
INVIOS: Selbstverständlich, dafür sind wir da. Wir wollen Menschen helfen.
Alexandra Weck: Und Unternehmern, die ja auch Menschen sind. Wir sind nicht immer nur die Bösen im Tatort. Das Unternehmerbild in Deutschland hat ja auch noch bisschen Nachholbedarf. Ich glaube, wir zwei sind ja auch gute ... Wir zwei sind ja auch gutes Beispiel. Nee, nee, nee, nee. Also noch nicht. Wir sind fast fertig. Aber das heißt, jeder, der jetzt ...
INVIOS: Ziemlich! Gleicher Güter und Klasse! Dünnes Eis, dünnes Eis. Ich glaube, ich muss weg.
Alexandra Weck: der jetzt heute sich ein bisschen in diesen Themen wiederfindet. egal ob das der IT-Berater ist, der Handwerker oder auch der Dienstleister, also gerne jederzeit auf Sie auch zugehen zu diesem Thema. Weil, wie gesagt, Sie haben da ja auch die Erfahrung und auch schon einige Kunden sicherlich ja schon betreut, über die wir natürlich nicht sprechen, das ist klar. Aber hier einfach der Aufruf, Sie einfach mal. anzurufen, wenn es wichtig ist. Und das zusammenzufassen, wir hatten jetzt gesagt, Business ist die Altersvorsorge, zu viel Klumpenrisiko sollte man nicht unbedingt machen, keine Zeit. Genau das nächste Thema, Automatisierung schlägt eben aufschieben, erst die Schulden weg, das kommt drauf an, das heißt, hier macht die individuelle Situation Sinn. Nur Liquidität. eben auch nicht richtig, drei Konten nutzen, den Rest investieren. damit, was ist denn jetzt die wichtigste Botschaft noch mal für die Selbstständigen, die ja in Deutschland sehr viel oder sehr wichtig sind? Ich glaube, es gibt ja selten Länder, es so viele KMU und Selbstständige gibt. Also was wollen wir denen jetzt allen sagen? Den Millionen, die das jetzt alle hören.
INVIOS: Ja, dass wir alles nur emotionale Wesen sind. haben die vermeintliche Kontrolle. Unser Gehirn strebt auch nach Kontrolle, nach Sicherheit. Denn nichts anderes ist ja Kontrolle und wir streben auch nach Belohnung und das möglichst schnell. Aber die Geldanlage ist eben halt genau das Gegenteil. Man muss da diszipliniert ran über die Zeit spielen, mit Geduld und teilweise eben halt auch zu delegieren. Das ist wichtig. Also genau dieses System, das limbische System auszutricksen, der gewinnt. Bleiben Sie rational, bleiben Sie diversifiziert. Die drei, vier Punkte, die Sie gerade sehr, sehr treffend zusammengefasst haben, die kann man in so einer Dauerfeedback-Schleife nachts anhören. Und dann bleibt man halt liquide, aber nicht durchgehend liquide. Lassen Sie das Geld auch für sich erarbeiten, das ist ganz wichtig.
Alexandra Weck: Sie sind ja auch Unternehmer, das bedeutet, sie machen das wahrscheinlich genauso, wie wir es gerade besprochen haben.
INVIOS: Ja natürlich. Alles was ich sage, ich vor durchdacht und alles was wir sagen, das setzen wir auch so in unserer Firma. Das ist wichtig.
Alexandra Weck: Ja, ja, genau. Nee, das finde ich auch. finde ich auch so sympathisch bei Ihnen und an dem Ansatz. Das merkt man auch immer wieder, wenn man Sie dann mal auf den Börsentagen begleiten kann. auch da, wenn jemand noch mal möchte, wenn jemand Sie noch mal persönlich treffen möchte, auch immer auf die Webseite noch mal schauen. Weil dort stehen im Eventkalender auch die Events, wo Sie ja dann auch unterwegs sind. Also die Chancen, bei den Börsentagen Sie zu treffen, sind sehr hoch. Und Sie sind ja auch immer für ein persönliches Gespräch nahbar. Das heißt, ist eben nicht so, wie sich andere Menschen, ich sag mal, so jemanden vorstellen, der eben auch einen Fond berät und auf der Bühne zu solchen Themen spricht. Sie sind nicht unnahrbar und direkt nach dem Vortrag wieder weg, im Gegenteil, sondern immer für alle Fragen der Fangemeinde und der Anleger und Anlegerinnen zugegen. Ja, insofern, ja, würde ich sagen. Für heute, glaube ich, wir, Unternehmer haben ja auch immer wenig Zeit, deswegen wollen wir es heute nicht überstrapazieren. Ich glaube, wir haben das Wichtigste erstmal zusammengepackt und wie gesagt, wir, wenn jemand Fragen und Anregungen hat, uns gerne auch kontaktieren und schreiben und dann bringen wir das auch mit rein. In diesem Sinne. Vielen Dank für die Insights, Herr Kreuz. Ich glaube, wir haben damit wieder vielen Unternehmern und Selbstständigen geholfen. damit viele Grüße bis zum nächsten Mal im Börsenbrain.
INVIOS: Frau Weck, Sie haben absolut recht. Von meiner Seite aus, mir hat es auch viel Spaß gemacht. Bleiben Sie rational, bleiben Sie diversifiziert, bleiben Sie liquide. Aber lassen Sie auf jeden Fall Ihr Geld für sich arbeiten.
Alexandra Weck: Dann haben wir es glaube ich heute.
INVIOS: So.
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