#21 Wann kaufen, wann warten? So investieren Profis antizyklisch!

Shownotes

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Martin Eberhard - fondsfüralle.de: Zur Website

Die 6 goldenen Regeln für rationales Investieren: 1. Ruhe bewahren – Kognition statt Emotion, Volatilität aushalten. 2. Dispositionseffekt vermeiden – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. 3. Einfachheit & Diversifikation – breit streuen, Kern-Satelliten-Strategie nutzen. 4. Antizyklisch handeln – günstig einkaufen, teuer verkaufen. 5. Kosten im Blick behalten – Aktivität gezielt steuern, unnötige Gebühren vermeiden. 6. Pareto-Prinzip nutzen – mit den wichtigsten 20 % der Maßnahmen 80 % Wirkung erzielen.

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INVIOS GmbH: Die meisten Anleger warten auf den perfekten Einstieg und wir Profis wissen, den gibt es leider nicht. Und genau darüber spreche ich heute mit jemandem, der sagt, Timing ist überschätzt, Verhalten ist entscheidend. Willkommen bei lieber Martin Eberhardt. Es bleibt dabei, über 30 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche… bist vom klassischen Bankgeschäft über Sparkasse hin zur unabhängigen Beratung gekommen. Heute betreust du, wenn ich mich recht entsinne über fondsfüralle.de. Im nahezu dreistelligen Millionenbereich mit knapp an die 1000 Mandaten bist du ausgezeichnet worden als einer der Top-Fonds-Experten in Deutschland. Das klingt wie ... Wie Donnerhall, davon kriegst du auch viel Respekt in unserer Branche und jemand, eine klare Mission hat. Nämlich am Kapitalmarkt darf man kein Privileg sein oder auch haben, sondern es muss für alle frei zugänglich sein. Martin von daher, wenn man deinen Weg anschaut, das ist ja eine klassische Bankausbildung, Filialleiter für sehr vermögende Privatkunden. Das ist ja die klassische Karriere, die man sich auch in der Finanzwelt wünscht. Und dann gehst du in diese Selbstständigkeit rein diesen Weg. Warum? Was hat dich an diesem System gestört?

Martin Eberhard: Ja gut, Schritt in die Selbstständigkeit, den habe ich mit 28 Lebensjahren vollzogen. Vielleicht etwas spät, aber im Nachhinein relativ auf den Punkt und gut. war nämlich im Börsentief 2003, der ein oder andere erinnert sich. Und mit damals 28 Jahren hat man dann auch so erste Überlegungen, was kostet so ein Haus, kann ich mir eine Familie überhaupt leisten, finanziell? Und das war dann der Weg raus aus dem öffentlichen Dienst bei der Sparkasse, rein in die Selbstständigkeit. mit dem Selbstvertrauen, wenn es mit der Selbstständigkeit nicht klappen sollte, dann nimmt mich schon irgendeine Bank mal wieder als Berater und so habe ich dann mutig begonnen, 2003 den Leuten erst mal ihr Geld wieder zurückzuholen, das sie vorher an der Bushaltestelle verloren hatten. Also viele Kunden waren ja damals in der Sparkasse auch 2000 bis 2003 im Abwärtstrend des neuen Marktes mit dabei und ich konnte es nicht auf mir sitzen lassen, dass die dann

INVIOS GmbH: Ja.

Martin Eberhard: mit tiefroten Zahlen, den Aktienmarkt nie mehr als Anlageklasse entdecken, sondern war da wirklich seit 2003 dann in starker Mission für die Kunden und natürlich auch für mich unterwegs.

INVIOS GmbH: Toll, klasse. Wenn du es so schön auf den Punkt bringst, du siehst also das Problem weniger im Kapitalmarkt, sondern im Verhalten und in den Produkten, die wahrscheinlich auch immer alte, neue Lösungen anbieten für alte Probleme. Mal ganz ehrlich, was war denn dein größter Anlagefehler, wenn du sagst mit 28 da dann auch schon in die Selbstständigkeit? Was war der größte Fehler am Anfang bei dir?

Martin Eberhard: Ja, die Fehler wiederholen sich ja und ich würde sagen, man lernt aus den Fehlern am meisten, insbesondere wenn sie dann an den Geldbeutel gehen. Hinten raus würde ich sagen, mit einer Klammer, dass Mathematik eigentlich übergeordnet sein soll vor den ganzen Emotionen wie Gier und Angst. Und man macht zu Beginn einer Anlegerkarriere oder auch einer Beraterkarriere oftmals den Fehler, dass man der Masse hinterherläuft oder genau das tut, was die Masse auch tut, nämlich zu ängstlich zu sein, wenn die Märkte unten sind und zu gierig zu sein, wenn die Märkte oben sind. Und da ist Disziplin, denke ich, der beste und wichtigste Ratgeber, also sprich nicht das tun, was alle tun, sondern genau entgegengesetzt handeln. Und da braucht man aber eine Zeit. muss auch oftmals untätig zusehen, wenn andere vermeintliche Gewinne feiern mit Kryptowährungen oder mit allen anderen Dingen, die da wie eine Rakete durch die Decke gehen. Aber Geduld wird am Ende des Tages belohnt und das muss man erst lernen

INVIOS GmbH: Ja, toll. Also ganz wesentliche Statements, best advices, am laufenden Band. Lass uns eigentlich auch direkt dann schon zu deinem Geschäftsmodell mal rübergehen, fondsfueralle.de. Der Name ist ja schon fast ein Statement. Kapitalmarkt für alle. Was genau meinst du damit?

Martin Eberhard: Der Name entstand durch eine relativ einfache Überlegung. haben Leute oft gefragt, was machst du denn beruflich? Und wenn man sich vorstellt und sagt, ist in der Finanzbranche tätig, dann geht die Schublade auf und wieder zu. Dann steckt man da mal drin und muss sich rechtfertigen. Und das wollte ich nicht mehr. Deswegen habe ich lange überlegt, wie soll denn meine Firma heißen und bin dann auf fondsfüralle gekommen, weil ein einjähriges Kind genauso wie eine 90-jährige Großmutter kann einen Fonds haben und braucht auch einen Fonds. Damals, als dieser Name entstanden ist, ich habe mir den dann auch patentieren lassen vor über zehn Jahren, Da gab es ja auch noch nicht so großartig diesen ETF-Boom. Heute würde ich vielleicht den Namen in ETFs für alle umnennen oder in fondsfüralle gleich lassen, weil ein ETF ist ja auch eine Sonderform eines Investmentfonds. Und ich mache das immerhin im Nachsatz fondsfüralle der Name ist Programm. Also jeder sollte ein Investment-Depot besitzen, ob im hohen Alter, dann das Altenheim noch zu bezahlen.

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: zu können oder im jungen Alter, dann auch später mal eine vernünftige Altersvorsorge zu besitzen.

INVIOS GmbH: Sprich, es sind ganz wesentlichen Punkte an, denen alle umtreibt, gerade im Bezug auch auf diese Rentenlücke. Viele Anleger haben aber das Gefühl, teilweise auch sicherlich zurecht, dass Produkte immer nur verkauft werden und teilweise eben auch nicht verstanden werden. Wie schafft ihr es, genau dieses Vertrauen wieder aufzubauen? Das ist ja eine Sisyphus-Arbeit.

Martin Eberhard: Produkte sind das eine und ein Plan ist das andere. ich würde mal behaupten, dass neun von zehn Anlegern in Deutschland, egal ob die über einen Berater zu einem Produkt gefunden haben oder die Dinge selber über Neobroker kaufen, eher produktorientiert unterwegs sind, anstatt einen Plan sich zu machen. Was meine ich mit Plan? Wenn ich nach Hamburg will, dann überlege ich, wann will ich dort sein, wann muss ich dort sein, welches Fortbewegungsmittel nehme ich. Wenn ich an die Rente denke, muss ich also erst mal über wie viel Geld brauche ich denn überhaupt für 1000 Euro Rente und dann muss ich mir überlegen habe ich Flugangst, weil dann darf ich keine Aktienfonds kaufen, die können auch mal abstürzen oder brauche ich sogar ein Flugzeug schneller von A nach B zu kommen, also was will ich damit sagen, Produkte sind ein Fortbewegungsmittel, die sind auch beliebig austauschbar, je nachdem ob sie zum Ziel passen oder nicht und den meisten Anlegern und da bleibe ich bei meiner Aussage 9 von 10 haben keinen Finanzplan. sondern die kaufen Produkte. Manchmal geht es gut, manchmal geht es schlecht. Und so fängt man alle fünf bis zehn Jahre neu an und verliert aber sein Ziel immer wieder aus dem Fokus.

INVIOS GmbH: Ja. Das fördert natürlich die einzige Frage, die wahrscheinlich ganz, ganz viel umtreibt. Wenn ich dir heute 500.000 Euro geben würde, was passiert bei euch konkret anders als bei der klassischen Banklösung? Wie geht ihr damit

Martin Eberhard: Ja, in jetziger Zeit vielleicht noch konkreter formuliert wie sonst. Ich würde dir sagen, schön, dass Sie mit den 500.000 gerade jetzt zu mir kommen. Leider sind die Kurse relativ weit oben und ich würde aktuell von Ihren 500.000 nur 100.000 anlegen. Wenn du zur Bank gehst und du sagst, hast 500.000, dann bist du höchstwahrscheinlich nach einer Stunde auch dein ganzes Geld los. Also nicht, dass es weniger wird, aber jeder Berater wird dir natürlich was Passendes anbieten können. Ich bin da eher antizyklisch unterwegs und setze Liquidität nicht als Anlagevehikel ein, sondern als taktisches Instrument mit dem Ansatz, alles was ich nach unten nicht verlieren muss.

INVIOS GmbH: Hm.

Martin Eberhard: oder nicht verliere, muss ich nach oben nicht erst wieder zurückgewinnen. Und das unterscheidet mich auch so ein bisschen von der klassischen Bank oder von Vertriebsstrukturen, dass ich das Geld des Kunden nicht sofort anlegen muss, sondern mir Zeit lasse, bis eben eine Straßenbahn kommt und die passenden Gelegenheiten auch da sind.

INVIOS GmbH: Mhm. Da kommen wir auch gleich nochmal zu sprechen. Du hast ja den Begriff der Straßenbahn ja auch geprägt im Assetmanagement. Lass uns vielleicht kurz nochmal zur aktuellen Situation gehen. Der DAX ist jetzt vom Hoch knapp 3600 Punkte entfernt. Das sind Pi mal Daumen 14 Prozent. Viele Anleger sitzen jetzt da, hören unseren Podcast und denken sich, war es das jetzt schon oder ist das erst der Anfang? Wie blickst du da drauf auf diese aktuelle Situation?

Martin Eberhard: Ja, also das ist ja nichts Neues, dass die Märkte sich bewegen, nicht nur nach oben, sondern auch nach unten. Viele Anleger der jüngeren Generation kennen ja gar keinen Einbruch mehr, geschweige denn eine heftige Korrektur. Und ich glaube, man muss erst mal unterscheiden, was ist denn aktuell passiert. Wir sind jetzt, wenn man die aktuellen Zahlen anschaut, beim DAX beispielsweise, year to date, also seit Jahresbeginn in im 10-prozentigen Minusbereich, liegen aber über drei Jahre immer noch mit 46 Prozent im Plus. Also momentan beißen ja nur den Letzten die Hunde. Also der, als Letzter auf den Zug aufgesprungen ist, der hat kurzfristig mal rote Zahlen. Davon mal abgesehen bin ich jemand, der schaut nicht unbedingt auf den DAX. Also mich interessiert der deutsche Aktienmarkt relativ wenig, weil die Marktkapitalisierung im Vergleich zum internationalen Geld, was weltweit unterwegs erscheint, Sehr, sehr gering ist. Für mich sind eher die amerikanischen Märkte der Wegweiser. Und da gibt es den Standard & Poor’s 500 mit seinen Marken. Wir liegen jetzt hier unter den Alltime-Highs knapp mit 5 oder 6 Prozent. Und das ist ja eine Bewegung, die tritt eigentlich regelmäßig ein. Nur die meisten Kunden haben sich eben viel zu wenig mit dem Thema Wahrscheinlichkeit und in dem Falle auch mit Mathematik beschäftigt. Ich habe hier mal in Vorbereitung auch ein paar

INVIOS GmbH: Ja.

Martin Eberhard: Kennzahlen vorbereitet, also eine 5 % Korrektur, der wir momentan liegen. kommen von 7000, sind jetzt bei 6500. Das ist eigentlich ein normales Börsengeräusch, das passiert regelmäßig. Dann haben wir eine 10- bis 20-prozentige Korrektur, die gab es seit 1974, also mein Geburtsjahr, 27-mal. Also einfach regelmäßig. Eine Korrektur von über 20%.

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: Die gab es auch öfter, nämlich 14-mal in den letzten 50 Jahren. Und ein Abschlag von über 30 Prozent kamen statistisch fünfmal in den letzten 50 Jahren vor. Also alle zehn Jahre, kann man sagen, hat man mal einen größeren Einbruch. Und die Gründe dafür sind ja vielfältig. Das macht mich nicht nervös, weil ich ja eben immer genau antizyklisch versuche, handeln, nämlich dann Aktien zu kaufen, wenn sie andere nicht mehr haben wollen. Und da

INVIOS GmbH: Mhm. Mh.

Martin Eberhard: braucht man halt die Mathematik und muss dann einfach ruhig und gelassen darauf warten, bis eben die benannte Straßenbahn kommt und sagt, hallo, alles 30 Prozent billiger, jetzt kannst du einsteigen.

INVIOS GmbH: Sehr, sehr gute Argumente, von der Ratio her komplett bin ich zu 100 Prozent bei dir. Was würdest du konkret machen, wenn ein Anleger vor dir sitzt und jetzt sagt, Mensch, ich habe so eine Angst, jetzt falsch zu handeln, zu früh wieder einzusteigen, auch wenn es nur ein Teil ist, so wie ihr ja vorgeht, oder zu spät zu reagieren? Was würdest du konkret diesen Menschen empfehlen? eher abwarten oder genau jetzt dann zu dir zu gehen und du übernimmst diese Arbeit.

Martin Eberhard: Ich wusste, dass die Frage kommt. Die kommt ja nicht nur von dir, sondern die habe ich in den letzten Jahren wahrscheinlich 10.000 Mal gehört, wie jeder andere auch in der Branche. Entweder der Kunde stellt die Frage bewusst. Oder er stellt sie unbewusst, weil er immer mit einem gewissen Unsicherheitsgefühl zu dir kommt und sagt, Mensch, ich muss dem Menschen, der mir gegenüber sitzt, erst mal vertrauen können, ich suche einen vermeintlichen Experten oder Fachmann auf, genauso wie wenn ich zum Arzt gehe, will ich jetzt jemanden gegenüber sitzen haben, der den Markt versteht und auch ein Stück weit lesen kann. Jetzt sage ich dem Kunden ganz ernüchternd zu Beginn eines Gesprächs, Die beste Anlagestrategie, ob 2026 oder 2027, gibt es nicht, weil niemand von uns weiß, weder du noch ich noch sonst irgendwelche Experten, welche Anlageklasse konkret denn in den nächsten zwölf Monaten die beste sein wird. So wenn man es jetzt mal aber festmacht an einer bestimmten Anlageklasse, und wir haben gerade so ein bisschen über den Standard & Purs 500 gesprochen, der wurde so mein

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: Mein Leitindex, an dem ich auch ein Stück weit meine Strategien dann ableite, da definiere ich für mich immer so das Szenario, ist momentan eine gute Zeit zu kaufen, zu verkaufen oder einfach nichts zu tun und die Bestände, die man vielleicht schon hat, zu halten. Und meine Strategie ist relativ rational darauf aufgebaut, dass ich sage, es kommt regelmäßig eine Korrektur über die ich gerade schon gesprochen habe, also die sogenannte Straßenbahn.

INVIOS GmbH: Hm.

Martin Eberhard: Je ausgeprägter die Korrektur, umso besser natürlich. Und bis die Korrektur kommt, habe ich für mich ein ganz klares Verhaltensmuster, indem ich sage, die ersten 25 Prozent deines Vermögens, also du hast 100.000 Euro, kommst heute zu mir, wir sind beim Börsenhoch oder bis zu 10 Prozent unter dem Börsenhoch, dann sage ich, die ersten 25 Prozent legen wir sofort an, weil es gibt ja auch das Risiko, dass ab morgen alles wieder steigt.

INVIOS GmbH: Hm. Mhm. Ja.

Martin Eberhard: Die Börse kennt ja nicht nur den Abwärtstrend, sondern niemand hat beschlossen, dass der letzte Höchststand auch der letzte war. Und dann warte ich mit dem restlichen Kapital, also mit bis zu 75 Prozent deines Geldes, bis einfach mal ein Unfall passiert oder ein ganz normaler Rücksetzer kommt, der über 10 Prozent des letzten Höchststandes ausgemacht hat. Und genau das ist auch ein komplett anderes Verhalten wie bei der Bank. Ich sage nämlich zu meinen Kunden Freu dich drauf, wenn die Börse zum ersten Mal 10 % fällt, dann denkt der Kunde, warum soll ich mich da freuen? Dann sag ich, weil du dann noch 75 % deines Geldes verfügbar hast, die wir dann gemütlich, wenn andere eben keine Aktien mehr haben wollen, in den Markt reinbringen. Das ist ja das Rad, nicht neu erfunden im Grunde genommen, Kostolany ist eines meiner Lieblingsbücher, so seine alten Börsenzitate.

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: hat es immer schon gesagt, man braucht drei Dinge an der Börse Geld. Ohne Geld geht es schlecht. Gedanken, also man sollte sich Gedanken machen, warum überhaupt und was überhaupt und die Geduld. Und die Geduld haben halt die leider die wenigsten. Ich habe eine Statistik erst gelesen, dass die durchschnittliche Besitzdauer einer Aktie nur noch sechs Monate beträgt. Also entweder es läuft zu gut, dann wird es der nächste Urlaub oder es läuft zu schlecht, dann gehe ich zur Bausparkasse zurück, obwohl ich vorher alles in Bitcoin investiert habe. Also das ist ja alles keine Strategie, sondern so das klassische Hin und Her macht die Taschen leer und da sollte man eigentlich draus landen und einfach die Geduld viel, viel mehr in den Vordergrund stellen.

INVIOS GmbH: Genau, alles andere über diesen gerafften Zeitplan ist natürlich dann nur noch Spekulation. Mich würde interessieren und bin mir ganz sicher, dass da einige jetzt mit gespitzten Ohren da sitzen. 25 Prozent, einer der neu zu dir gekommen ist, ist jetzt faktisch mit 25 Prozent drin. Wann gehen die nächsten 25 in den Markt? Angenommen mal am S&P 500, was du ja korrekterweise, weil da auch die Musik spielt in Amerika, würdest du das an bestimmten Chartmarken, Punktmarken festmachen? Und wenn ja, lässt du uns daran teilhaben.

Martin Eberhard: Genau, also grundsätzlich die Grafik, die ich gerade eingeblendet habe, zeigt sehr relativ stringent. Ich sage minus 10 Prozent vom letzten Höchststand. Damit bin ich eigentlich bei den durchschnittlichen Drawdowns, also den durchschnittlichen Korrekturen, die das Standard & Poor's macht. Ich habe das mal in der Grafik von JP Morgan hier rausgelesen. Die historische Korrektur des Standard & Poor's pro Jahr im Schnitt beträgt 14,1 Prozent.

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: Und wenn wir jetzt mal 10 Prozent unter Wasser sind, also heute sehen wir vielleicht noch die 6.400 Punkte, dann würde ich die Kunden mal darauf vorbereiten, dass in den nächsten Tagen ein Kauf ausgelöst wird. Hängt natürlich immer ein bisschen von den Tagesnachrichten ab. Viel passiert ja mittlerweile übers Wochenende, wo du dann erst am Montag reagieren kannst. Und in Zeiten wie diesen erwischt man es natürlich eh nie genau, aber ich sage mal, in dem Korridor von 6.400 bis 6.000 Punkte runter jetzt. wo wir die nächsten Tage, wahrscheinlich diese Woche mal landen werden, würde ich dann die nächsten 25 Prozent anpacken.

INVIOS GmbH: Ja. Toll. Vielen, vielen Dank für diesen wirklich wertvollen Tipp, für diesen Einblick. Das sind wirklich Insights, die viele interessieren. Was ich noch mitgenommen habe aus deiner Tätigkeit war auch, und das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, weil man das in unserer Gesellschaft immer wieder zur Seite packt, das Thema Ableben. Also du hast es sehr treffend einerseits mit der Straßenbahn, auf der anderen Seite auch das Probesterben hier in dem Markt etabliert. Das heißt nicht etabliert. sondern den Begriff auch geprägt. Kommen wir mal zu diesem Begriff, wenn man den in der Finanzbranche eher selten hört. Probesterben. Was meinst du damit und was verdrängen da eventuell Anleger in der Thematik und wie sollte man konsequent eigentlich mit diesem Thema umgehen?

Martin Eberhard: Ja, also Probesterben erwähne ich eigentlich immer bei Kunden mit vermeintlich größerem Vermögen. Ich sage zu denen, wir diskutieren heute über 30 oder 40.000 plus oder minus in deinem Depot. Das ist zwar wichtig, aber vielleicht nicht so ganz wichtig. wie drüber nachzudenken, was passiert denn mit deinem Vermögen, wenn du heute nicht lebend aus diesem Büro rauskommst. Also nicht, weil du einen Herzinfarkt kriegst beim Anblick der aktuellen Kurse, sondern weil du einfach das Schicksal holt dich und du hinterlässt deinen Nachkommen dann nicht nur eine Menge Unordnung, sondern auch eine Menge Vermögen. Und da habe ich den Leuten dann mit einer Software einfach mal

INVIOS GmbH: und inklusiv.

Martin Eberhard: beziehungsweise mach das ganz gerne bei größeren Vermögen. Was passiert denn, wenn nichts geregelt ist? Dann tritt nämlich die gesetzliche Erbfolge ein. Oder selbst wenn was geregelt ist, dann haben viele das Berliner Testament, wo erst mal das komplette Vermögen bei der überlebenden Ehegattin oder dem Ehegatten angehäuft wird und hinten raus Freibeträge verschenkt werden. Da geht es dann oftmals um viel, viel mehr wie um diese 30.000 Euro Kursgewinn, die wir gerade aufgelaufen haben. sondern da geht es dann oft darum, wenn man hier nicht schon vorausdenkt, über Schenkung nachdenkt, über Vermögensstrukturierung, über die Einbeziehung der nächsten Generation, über die nächsten Jahre, dann können Sie das ganze Depotmanagement eigentlich vergessen, weil hinten raus das Finanzamt sich freut, dass sie zwar gut und ordentlich gewirtschaftet haben, aber die Erbschaftssteuer dann dementsprechend hoch ausfällt. jeder, der heute eine Immobilie besitzt, die ja Gott sei Dank im Wert auch gestiegen sind, ein bisschen an Depotwert.

INVIOS GmbH: Mhm.

Martin Eberhard: Der sollte mit seinem Berater mal in Medias Res gehen, sollte mal über das Gesamtvermögen, auch über den Erbschaftsbaum sprechen, also wen gibt es denn überhaupt, und sollte dann auch an die grundlegenden Dinge wie Vollmacht, Testament, Unternehmervollmacht, Unternehmertestament, Schenkung und dergleichen nachdenken und das nicht auf die lange Bank schieben, weil da gibt es eben keinen Zeitpunkt, das mache ich irgendwann mal später, da kann man auch nicht sagen, Wichtiges und Dringendes, weil man weiß leider Gottes und Gott sei Dank auch nicht, wann wird dieses wichtige Thema plötzlich ganz ganz dringend, weil dann bin ich handlungsunfähig.

INVIOS GmbH: Ja, absolut. Absolut visibel. Zusammengefasst mit warme Hand geben ist nicht nur seliger denn nehmen, sondern es ist auch sinnvoller im Bezug auf Vermögenstransfer. Vielen Dank da auch für diesen Einblick. Wärst du bereit, weil wir das immer so quasi als Abschluss mitnehmen, was natürlich viele auch interessiert, das ist so quasi Quickfire. Wir haben in diesem Block kurze Fragen und erwarten dann ... Mehr oder weniger auch kurze Antworten. Ist das für dich in Ordnung? Klasse! Crash oder Boom?

Martin Eberhard: Völlig okay. Ich bin für den Crash, weil ich schon länger mal auf die Straßenbahn warte. Ich glaube auch, kommt noch. Wir haben den Ausverkauf noch nicht gesehen.

INVIOS GmbH: Mehr Risiko nicht investieren oder falsch investieren?

Martin Eberhard: Langfristig nicht investieren. Größtes Risiko, sage ich, wenig Geduld.

INVIOS GmbH: Schließt sich sofort die Frage an, beste Entscheidung deiner Karriere.

Martin Eberhard: Die beste?

INVIOS GmbH: Ja.

Martin Eberhard: mich selbstständig zu machen.

INVIOS GmbH: Teile ich mit dir. Und deine schlechteste?

Martin Eberhard: Die schlechteste Ja, war der Lernprozess zu wenig Geduld zu haben, zu viel Gier und zu viel Angst. Also unten mich nicht reintrauen und oben dem Trend hinterherlaufen.

INVIOS GmbH: So spät sich selbstständig gemacht Ja, sehr, sehr wertvoll. Ein Satz über die Börse, den du nicht mehr hören kannst.

Martin Eberhard: Finde ich spannend. Viele sagen ja, Time in the Market ist wichtiger als Timing in the Market. ich anders. Ich beantworte das vielleicht etwas länger. Ich habe da auch noch meine Grafik vorbereitet.

INVIOS GmbH: Du bist gut vorbereitet. Das schätze ich so sehr an dir.

Martin Eberhard: Genau, weil alle reden immer darüber, du musst hauptsächlich einfach mal rein in den Markt, dann wird das langfristig schon alles gut gehen. Stimmt grundsätzlich auch. Aber ich habe mal eine Grafik gefunden, die da besagt, was wäre denn passiert, wenn ich nicht die zehn besten Börsentage verpasst habe, hier die rote Linie, sondern wenn ich die zehn schlechtesten Börsentage verpasst habe, hier oben die grüne Linie gemessen am Standard & Poor's 500 und Da sollte man sich doch etwas damit beschäftigen, dass man sagt, ja, ich muss nicht mein ganzes Geld, was ich habe, sofort blind in den Markt bringen, sondern ich muss abwarten und Geduld haben. Lieber ein paar Prozent nach oben verpasst, wie gleich mit der ganzen Kohle nach unten mit dabei.

INVIOS GmbH: Mhm. Martin, wenn unsere Hörer heute nur eine Sache mitnehmen, was wäre das?

Martin Eberhard: Auf jeden Fall investieren. Ohne Aktien geht es nicht. Die nächsten Tage, denke ich, und auch 2026, gibt es genügend Möglichkeiten. Und wenn es dann jetzt mal hoffentlich vielleicht um die 20 Prozent unter den letzten Höchstständen ist, auch mutig sein, eine hohe Aktienquote fahren und langfristig den Märkten und den Unternehmen vertrauen.

INVIOS GmbH: Martin Eberhard, vielen Dank für diese hochspannenden, sehr wertvollen Einblicke. ja, auch im Namen der gesamten Zuhörerschaft ganz herzlichen Dank, dass du dort einen Blick, wahres Potpourri der guten Laune abgefeuert hast und uns sehr viele wertvolle, sehr viel wertvollen Input geliefert hast. Vielen Dank für dein Kommen.

Martin Eberhard: Vielen Dank, Nikolas Gute Zeit.

INVIOS GmbH: Gleichfalls.

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