#22 Was passiert wirklich hinter den Kulissen einer Großbank? Falko Block im BörsenBrain.
Shownotes
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Falko Block - DZ Bank LinkedIn
Die 6 goldenen Regeln für rationales Investieren: 1. Ruhe bewahren – Kognition statt Emotion, Volatilität aushalten. 2. Dispositionseffekt vermeiden – Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. 3. Einfachheit & Diversifikation – breit streuen, Kern-Satelliten-Strategie nutzen. 4. Antizyklisch handeln – günstig einkaufen, teuer verkaufen. 5. Kosten im Blick behalten – Aktivität gezielt steuern, unnötige Gebühren vermeiden. 6. Pareto-Prinzip nutzen – mit den wichtigsten 20 % der Maßnahmen 80 % Wirkung erzielen.
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INVIOS GmbH: Viele Anleger glauben, mehr Informationen führen zu besseren Entscheidungen. Die Realität, mehr Informationen führen oftmals nur zu mehr Unsicherheit. Und genau darüber spreche ich heute mit jemandem, der genau an dieser Schnittstelle arbeitet zwischen Kapitalmarkt, Produktwelt und Anlegerverhalten. Willkommen bei BörsenBrain, ich bin Nikolas Kreuz und heute zu Gast Falko Block von der DZ Bank.
Falko Block: Grüß dich!
INVIOS GmbH: Grüß dich auch. Du bist ausgewiesener Kapitalmarktstratege, sehr expertierter oder mit hoher Expertise versehener Anlage- und Hebelprodukte, die du zertifizierst bzw. auch herstellst, rappst und jemand, der täglich erlebt, wie Anleger wirklich entscheiden. nicht nur in der Theorie, sondern eben auch in der Praxis und zusätzlich jemand. So erlebe ich dich auch wie letzte Woche. am Münchner Börsentag mit Finanzwissen, was du ganz verständlich distribuierst und unter anderem auch als Podcast-Host. Falko, schön, dass du da bist. Gleich die erste Frage in deine Richtung. Wenn man sich deinen Weg anschaut, du kommst aus der Analyse, aus dem Research, aus strukturierten Kapitalmarktarbeit. Heute bist du sehr nah am Anleger. Man erlebt dich ja auch bei diesen Vorträgen vor Hunderten bzw. tausenden von Menschen. Was hat dich ursprünglich mehr Fasziniert sind es die Zahlen oder der Mensch dahinter?
Falko Block: Also von meiner Ausbildung her bin ich Volkswirt, da sind eigentlich eher die Zahlen, ich sag mal, ausschlaggebend. Dann bin ich in die Bank gekommen mit einer Ausbildung, wurde dann zum Aktienanalysten ausgebildet und dort zählen eigentlich auch eher Fakten / Zahlen Das Schöne ist ja, sie sind interpretationsfrei. Eins ist eine Eins, eine Drei ist eine Drei. Man hat aber schon natürlich im Laufe der Zeit gemerkt und das habe ich aber auch schon im Studium gesehen, Institutionenökonomie, das ist so ein damals sogar etwas neuerer Studiengang, der ging davon aus, dass wir eben nicht den Homo economicus haben, also den perfekten Menschen, sondern wir sind ja alle nur, deswegen sagen wir es ja auch Menschen gesteuert, auch von Instinkten, Angst und Gier und so weiter und das merkt man natürlich auch am Markt. wenn man sich dann wundert, warum ein Unternehmen diese Zahlen berichtet und so reagiert der Markt und man versucht das nur mit nackten Zahlen zu... prognostizieren oder zu erklären, das funktioniert nicht. Und deswegen habe ich im Laufe der Zeit auch eigentlich gemerkt, und das war auch so ein Grund, warum ich vielleicht von der komplett neutralen Analyse später mal in die Richtung Marketing gegangen bin, dass es auch interessant ist, mit Individuen zu arbeiten und versuchen, rauszukitzeln, was interessiert die. Und im Laufe der Zeit habe ich jetzt sogar festgestellt, dass es mir sogar interessanter, für mich interessanter ist, Menschen zu arbeiten. Was in der Bankenbranche, ich meine, wenn man jetzt nicht in die Beratung direkt geht, nicht so der Fall ist.
INVIOS GmbH: Mhm. Mhm.
Falko Block: Aber das ist eigentlich interessanter zu sehen. Und wie hat so schön André Kostolany auch schon gesagt, Börse zu 90 Prozent Psychologie und das merkt man dort auch auf jeden Fall.
INVIOS GmbH: Top, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Kapitalmärkte funktionieren nicht rational. Ich bin da komplett azur. Wenn du ganz ehrlich zurückblickst, nämlich mit der Erkenntnis, was war dann dein größter Denkfehler am Anfang? Also nicht fachlich, sondern mental, wenn du genau aus diesem Kontext heraus argumentierst.
Falko Block: Ich hatte zum Beispiel damals die Chance einige Unternehmen zu übernehmen, die damals eigentlich noch in Anführungsstrichen unbekannt war. Das waren die großen Big Techs, eigentlich Microsoft, Amazon und Co. Das Problem ist natürlich bei der Amazon beispielsweise, da hatte ich einen klaren view dass die eigentlich zu teuer war und habe ich auch verkaufen gesetzt das habe ich mich dann in Anführungsstrichen getraut das muss man als Analyst auch erstmal bringen und dann ist einem der kurs echt davon gelaufen und das aber gedacht der markt ist doch doof guckt euch das mal an das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zu hoch oder dergleichen mehr jetzt steht man natürlich da in so einer gewissen Spanne auf der einen seite man hat klare vorgaben wie man vorgeht hat ein modell ist die frage an welchen stellen man vielleicht doch ein bisschen abweichen muss zu sagen der markt sieht das aber ein bisschen anders und da hätte ich vielleicht noch ein bisschen mehr ich sag mal darauf reagieren sollen. Dieser Bereich oder diese Aktie wird vielleicht auch vom Markt ein bisschen anders gesehen. Da habe ich mich einfach an das Modell gehalten. Ich war natürlich noch Anfänger und war da erstmal vorsichtig. Heute würde ich da vielleicht ein bisschen anders vorgehen.
INVIOS GmbH: Hm. Ja. Also nicht Overconfidence was ja richtig ist, wenn man jung dabei ist. Also nicht zu viel Selbstvertrauen, sondern eher mit Vorsicht da agiert. Und jetzt in der Retrospektive daraus gesagt, zu vorsichtig in diesem Moment dann expost
Falko Block: Ja, zuvor genau. hat natürlich, wie gesagt, die Schwierigkeit war natürlich das Kurs-Gewinn-Verhältnis und sonstiges. Du hast klare Vorgaben, an die du halten musst. Mittlerweile agieren die Kollegen da auch ein bisschen anders, aber genau, man war da eigentlich zu vorsichtig und hat gedacht, ne, das ist, das war's jetzt, man muss da raus. Und das potenzielle Wachstum, das hatte man dann auch vielleicht ein bisschen unterschätzt. Genau, vielleicht muss man da ein bisschen über sich hinausgehen. Ansonsten ist...
INVIOS GmbH: Mh. Ja.
Falko Block: Vor allem bei diesen Unternehmen muss man auch sagen, die hatten ja ganz andere Wachstums-Stories als das vorher noch eine Microsoft oder eine Daimler hatte. Man sagt jetzt zwar, am Markt ist nicht immer alles gleich oder die Geschichte wiederholt sich nicht, aber in diesem Fall hätte man vielleicht doch andere Modelle, andere Vorgehensweisen nutzen können. Aber wie gesagt, da war ich vielleicht als Anfänger noch bisschen zu vorsichtig.
INVIOS GmbH: und Mh. Ja, und natürlich kennt man dann auch noch nicht die gesamte Produktwelt in der Realität. Und da bewegst du ja extrem viel, sehr intensiv in der Welt der Zertifikate und Hebelprodukte, zumindest auch deine Teams. Und viele Anleger haben dabei ein sehr, ich würde jetzt mal sagen, ambivalentes Gefühl, nämlich zwischen das ist spannend und auf der anderen Seite, das ist mir vielleicht auch zu kompliziert. Was wird in dieser Produktwelt am meisten missverstanden deiner Meinung nach?
Falko Block: Das größte Problem, das ich immer habe, wir verkaufen ja beispielsweise Produkte. Also wir sind eigentlich nur Bauer. Also wir bauen diese Produkte und bieten sie Personen an. Das sind konservative, auch sehr spekulative Produkte. Und das meiste, was mir immer wieder beginnt, ist, dass dann der Anleger sagt, ja und sie spekulieren dann gegen mich. Also wir verkaufen ein Produkt auf steigende Kurse, zum Beispiel einen sogenannten Call oder einen Fall das ist der Put und dann denkt dann der Anleger, ja und sie machen genau das Gegenteil. Und das ist...
INVIOS GmbH: Mhm. Ja.
Falko Block: 100 % eben nicht der Fall. sind völlig neutral. bauen diese Produkte, wir hedgen das heißt wir sichern uns ab. Ob der Anleger dann langfristig mit diesem Produkt Gewinn oder Verlust macht, ist uns von der buchhalterischen Seite komplett egal, weil wir sind raus aus dem Markt, wir sind gehedget also abgesichert. Und wir wollen natürlich, dass der Kunde langfristig gewinnt, weil wenn er 3-4 mal verliert, dann ist sein Geld weg oder er keine Lust mehr und ist raus. Wir haben ihn als Kunden verloren. Aber das ist so einer der größten Fehler, die man immer wieder erklären muss. Nein, wir als Bank spekulieren nicht gegen euch.
INVIOS GmbH: Mh. Mh. Ja.
Falko Block: Wir sichern uns nur ab, denn wenn wir wüssten wohin es gehen würde, dann müsste man natürlich dieses sehr kleinteilige und aufwendige Kapitalmarktgeschäft ja gar nicht machen. Da würde man nur so einen Eigenhandel machen, also die Bank spekuliert mit eigenen Geld und müsste man, wenn nicht, gar nicht nach draußen wenden. Das ist einer der größten Vorurteile, die uns immer wieder begegnet und mit dem ich gerne mal versuche aufzuräumen.
INVIOS GmbH: Ja, das klingt logisch, das nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz sind diese Produkte wirklich auch komplex für manche, zumindest schwer nachzuvollziehen oder sind sie einfach nur zu kompliziert zu erklären.
Falko Block: Ich habe mich selber dann intensiv drangesetzt, habe Leitfäden geschrieben, habe dabei natürlich auch festgestellt, wo liegen denn die Fallstricke. Und zwischen Theorie und Praxis gibt es natürlich auch immer wieder Unterschiede. Das merke ich immer wieder bei Nachwuchskräften, die werden ja auch von ihren Professoren unterrichtet, wie funktionieren Zukunftsgeschäfte, also Futures, Swaps und Optionen. Und da gibt es dann die Theorie und dann gibt es im Endeffekt in der Praxis natürlich noch, wie reagiert das Produkt denn wirklich am Markt. Sie sind nicht zu einfach. Deswegen sage ich auch ganz ehrlich, bitte jedem nicht gleich dort einsteigen. Das ist ja so, als wenn ich einen Fahranfänger habe und ich setze mich gleich in den 800 PS Formel 1 Boliden. Da werde ich sehr wahrscheinlich nach 30 Metern gegen die nächste Wand fahren, sondern erst mal langsam anfangen. Und für mich sind diese Produkte, also Zertifikate gibt es ja unterschiedliche Varianten. Es gibt sehr konservative und es gibt sehr spekulative. Spätestens bei den spekulativen sollte man doch wirklich erst dann ansetzen, wenn man ausreichend Kapital im Hinterhand hat.
INVIOS GmbH: Mh. Mhm.
Falko Block: und sich aber auch ausgängig damit auseinandersetzen. Also die Leute rennen ja von Pontius zu Pilatus und informieren sich über alles möglich, wenn sie einen neuen Mixer kaufen wollen. Aber wenn sie dann sprechenden spekulatives Hebelprodukt kaufen, dann wird es schon passen. Und dann haben sie eben nicht genau verstanden, was das Thema ist. Insbesondere in schwankungsintensiven Märkten sind manche dieser Produkte sehr abhängig von der Volatilität.
INVIOS GmbH: Mhm.
Falko Block: jetzt gerade und dann macht das Produkt was anderes als gedacht und dann habe ich eine Zeit lang auch in der Reklamationsabteilung gearbeitet und da habe ich dann festgestellt wie wenig das Wissen eigentlich da ist, so dass die Leute sich dann beschweren und meinen das Produkt wäre falsch, wir würden was falsches machen aber sie haben eben nicht verstanden wie das Produkt wirklich funktioniert und deswegen muss man sich wirklich doch damit auseinandersetzen also das geht bin ehrlich nicht in fünf Minuten.
INVIOS GmbH: Ja. Vielen Und wenn man den Part, klar, Missverständnis, Unwissenheit schützt vor Fehlern nicht, das wissen wir. Und ganz ehrlich, ist der größte oder was sind weitere Fehler, die Privatanleger im Umgang mit solchen Produkten noch zusätzlich machen können?
Falko Block: Zu gierig, das heißt diese Produkte sind ja gerne mit einem Hebel versehen, das heißt also der Basiswert, Beispiel eine Aktie, ein Index steigt 1 % und dann kann ich ja Produkte nehmen, die haben Hebel zum Beispiel von 10%. Das heißt 1 % steigt der DAX, 10 % steigt das Produkt. Und da gibt es nicht wenige, die sagen, jetzt will ich aber richtig Power haben und nehmen ein Produkt mit einem Hebel von 30, 40, 50. Sowas bieten wir natürlich an, weil es auch gewünscht ist, beziehungsweise manche Produkte, entwickeln sich im Laufe der Zeit erst dahin.
INVIOS GmbH: Okay. Ja.
Falko Block: Aber was viele nicht berücksichtigen, eine Tagesschwankung, also nehmen wir an ich hätte ein Produkt mit einem Hebel von 50 und der DAX schwankt um 2%, 2 % mal 50 und 100, dann ist das ganze Geld weg. Das ist eine Tagesschwankung, wenn es am nächsten Tag wieder bergauf geht, kann das sich auch nicht mehr erholen und deswegen gehen viele halt mit viel zu hohen Hebel in die Geschichte oder in diese Sache rein und wir selbst haben auch Profi-Trader mit denen wir zusammenarbeiten und die selbst die sagen Hebel 3, 5,
INVIOS GmbH: Mhm.
Falko Block: 8 maximal und entsprechend da vorsichtig reagieren und natürlich die Positionsgrößen in der Regel ein halbes bis 1 Prozent vom eigenen Portfolio nicht mehr.
INVIOS GmbH: Mensch, sehr, sehr wertvolle Hinweise, was letzten Endes dann auch die Gier wieder reduziert oder die Selbstüberschätzung. Schauen wir mal kurz hinter die Kulissen dieser glamourösen Bankenwelt. Jetzt ganz ehrlich, wenn man von außen auf die Bankenwelt schaut und du bist ja in einer der größten Institute Europas sehr aktiv. Wirkt oft alles sehr strukturiert, sehr klar, sehr professionell. Fast schon ein bisschen zu perfekt. Wenn wir mal hinter die Kulissen schauen, was würden Anleger überraschen? Was würde sie überraschen, wenn sie einen Tag wirklich intern dabei wären, wenn sie ein kleines Mäuschen bei dir spielen könnten?
Falko Block: Wir sind natürlich sehr stark geprägt von Abstimmungen und auch Regularien, man sagen. wir sind uns teilweise sehr die Hände gebunden, was wir nach draußen bringen dürfen und dergleichen. Es gab ja mal diese tolle Serie Bad Banks auf, ich glaube, wo war sie, ZDF oder so. Letztens auf dem Anlegertag habe ich noch Mick Knauff getroffen, der durfte auch dort sich selbst spielen und war natürlich die perfekte Besetzung, weil ein bisschen glamourös.
INVIOS GmbH: Ja, bis dann.
Falko Block: Ja, so schillernd ist die Bankenwelt dann leider doch nicht, wie man sich das immer vorstellt. Oder auch, wir haben immer wieder Nachwuchskräfte, wollen ein M&A, also Mergers & Acquisitions und denken, sie jetten dann Tag ein, Tag aus zwischen New York und San Francisco und Hawaii und Paris hin und her. So ist es doch meistens nicht. Wir haben auch immer wieder viele Abstimmungen. Es ist auch immer wieder viel Backoffice-Arbeit, die man machen darf. bis am Endeffekt ein Produkt nachher draußen ist, ist es manchmal auch...
INVIOS GmbH: Mh.
Falko Block: sehr viel kleinteilige Office Arbeit. Das muss man ganz klar sagen. Also es ist nicht mehr so schillernd, wie man sich es immer vorstellt. Da muss man doch den ein oder anderen immer ein bisschen einbremsen. Aber ansonsten sind wir natürlich ganz klar sehr strukturiert unterwegs. Also auch wenn jetzt zum Beispiel hier die Märkte mal runtergehen, für den ein oder anderen ist das jetzt ein Crash. Ich glaube für uns beide eher eine leichte Korrektur. Erst bei 20-30 Prozent, da sagen wir mal, na ja, jetzt ist endlich mal was los.
INVIOS GmbH: Ja. Hm. Vielen
Falko Block: Aber wir rennen eben nicht ein aufgeschreckter Hühnerhaufen durch die Gegend, sondern es wird geguckt. Die Kollegen vom Research schreiben Berichte, die Kunden zu informieren. Da ist eigentlich schon alles, ich sag mal, recht safe. Also da rennt jetzt keiner wie ein aufgestreckter Hühnerhaufen durch die Gegend.
INVIOS GmbH: Ja, okay. Ist alles klar nachzuvollziehen? Und umgekehrt gibt es Dinge, die nach außen einfach wirken bei der DZ Bank, aber intern extrem schwierig sind, Abstimmungsprozesse, solche Dinge?
Falko Block: Ja, Ja allein schon, wenn man manchmal sieht, wir haben eine Internetseite und da will man mal irgendwas was ändern, da müssen Kurse eingekauft, da müssen wir was verglichen werden. Wir wollen jetzt demnächst unseren Kunden anbieten, Kryptowerte zu handeln. Das heißt also derjenige, der einen Girokonto hat, das muss noch nicht mal ein Depot sein. Und dieses Produkt dauert leider seine Zeit. Viele hatten ja auch gedacht, das geht schneller. Und da muss man aber sagen, die Prozesse, der Regulator und wer alles, ich sag mal, sonst noch da mit im Boot sitzt.
INVIOS GmbH: Vielen Ja.
Falko Block: Dann zieht sich leider alles so bisschen dahin. Da sind, muss man vielleicht mal sagen, so Neobroker oder Kleinstitute, die machen das einfach mal so. Und je größer das Unternehmen natürlich ist, desto sicherer will man sein, dass alles funktioniert. Und noch mal prüfen und noch mal schauen und dergleichen mehr. Und das dauert dann halt teilweise. Und manchmal denkt der Kunde auch, wo ist das Problem? Baut dort den Button von oben links nach oben rechts. Aber dann geht's schon los. Dann muss ich UX Design schreiben.
INVIOS GmbH: Ja.
Falko Block: Da muss es geprüft werden, dann muss man schauen, ob das auch wirklich bei allen Browsern funktioniert. Ist ja nicht so der eine macht ja Apple, der nächste nutzt dies und jenes. Da muss ich überall testen, dass es funktioniert. Ja und das, ich sag mal, ist dann doch aufwendiger und von draußen würde man denken, mach doch mal, wo ist das Problem?
INVIOS GmbH: Aber wenn man so einen tiefen Einblick bekommt, dann hat man auch wiederum Verständnis. Verständnis ist, glaube ich, ganz gute Überleitung. Du hast es gerade angesprochen. Für uns scheint es nicht ein richtiger Crash, sondern eher eine Korrektur zu sein. Lass uns über die aktuelle Marktsituation sprechen. Wir sind im DAX rund 3.300 Punkte vom High entfernt. Viele Anleger sitzen jetzt da und denken sich, war es das jetzt schon oder ist das erst der Anfang? Deine persönliche Meinung dazu, Falko, wie blickst du aktuell auf die Situation und was kannst du den Zuhörern mitgeben mit deinem profunden Wissen mit den Jahrzehnten von Kapitalmarkterfahrung.
Falko Block: Zum einen muss man sagen, ich muss gerade echt überlegen, wann die letzte Krise jetzt wirklich her war, wobei, der Witz war ja auch, wir hatten uns ja auf dem Anlegertag in München getroffen und wir hatten ja glaube ich beide ein Déjà-vu-Erlebnis weil ein Jahr zuvor Trump mit seiner großen Showtafel auf dem Rasen des Weißen Hauses gestanden hat und gesagt hat, hier, ich mache irgendwelche Zölle, die kein Mensch nachvollziehen konnte und dann brach der Markt ein.
INVIOS GmbH: Liberation Day.
Falko Block: Und derjenige, an der Stelle eigentlich nachgekauft hat, der war immer auf der guten Seite. Und ich habe so einen Chart, ich auch immer auflege, wenn ich meine Vorträge halte, der geht dann wirklich vom DAX und der S&P 500 von 1990 bis heute. Und das ist wirklich ein Chart, der geht von unten links nach oben rechts, hat aber immer wieder Einbrüche. Diese Einbrüche waren auch teilweise heftig, 20 Prozent oder so, aber zeigt eigentlich den Effekt, man muss langfristig dabei sein. Die aktuelle Situation ist deswegen ein bisschen schwierig, weil da ein Faktor dazu kommt, und das ist eben Trump, den ich nicht
INVIOS GmbH: Ja.
Falko Block: mit Analysen und Zahlen bemessen kann. Und selbst die Institutionenökonomie hilft mir nicht weiter. Ich habe letztens schon überlegt, ob ich einen Spieltheoretiker mal fragen muss, der versuchen kann, psychologisch zu ermitteln, was macht so jemand in so einer Situation. Und das, was die Börse nicht mag, ist Unsicherheit. Und die haben wir aktuell. Unser aktueller Blick ist eigentlich darauf, dass man sagt, wahrscheinlich hat der Markt jetzt weitestgehend das antizipiert, was da ist. Es darf jetzt keine Verschlimmerung der Situation geben, indem die sich wirklich gegenseitig kaputtbomben.
INVIOS GmbH: Hm. Mhm. Mh.
Falko Block: Wenn das aber nicht der Fall ist, der Markt eigentlich alles antizipiert und wir werden ungefähr auf dem aktuellen Niveau bleiben mit starken Schwankungen. Also es kann auch ehrlich natürlich nochmal 1000 Punkte runtergehen. Das sind aber auch so Schwankungen von vielleicht 3 bis 4 Prozent. Das kann relativ schnell mal passieren. Ansonsten sollte eigentlich das so sich im Rahmen jetzt dahin lavieren und im zweiten Halbjahr gehen wir dann eher doch davon aus, dass sich die Situation verbessert. Trump steht unter Druck mit den Vorwahlen. Da muss er
INVIOS GmbH: Hm. Mhm.
Falko Block: eine gute Wirtschaftslage, niedrige Preise. Die Amerikaner sind ja noch empfindlicher, was das Thema Tanken angeht, als das bei uns schon der Fall ist. Deswegen muss er Endeffekt dafür sorgen, dass sich die Situation dann doch entspannt. Deswegen haben wir jetzt eine neue Prognose rausgebracht. 25.000 Punkte im DAX bis Jahresende. waren allerdings auch mal 27.000 Punkte. Also wir sind schon vorsichtiger geworden, muss man ganz ehrlich sagen. Aber wenn jemand nachkaufen will, wie so schön Drittelstrategie, kann man sicherlich schon die erste Position jetzt mal setzen.
INVIOS GmbH: Mh. Ja. Ja. Okay, und für dich jetzt ganz konkret, also das ist quasi auch der View der Bank, für dich konkret, wie bist du positioniert? Also hat man aus deiner Sicht schon alles gesehen, schrittweise diese Drittelstrategie ist verständlich. Woran würdest du es festmachen, wenn du sagst, so jetzt wird es interessant, jetzt gebe ich auch die letzten zwei Drittel rein? Gibt es da bestimmte Marken für dich? Was müsste passieren? Wann wird es interessant?
Falko Block: Gute Frage. Vielleicht immer, die Volatilität runtergeht. Wir haben aktuell eine Volatilität im DAX von über 30 Prozent. Langfristig hatten wir 20, wir hatten lange Zeit, hatten wir 15. Ich würde sagen, wenn wir vielleicht wieder deutlich unter diese Marke von 20 Prozent gehen, dann erwarten die Marktteilnehmer eigentlich jetzt passiert nicht mehr viel. Ich selbst bin ausgesprochener Langfrist-Investor. Mein Portfolio ist nicht dafür da, dass ich mir den nächsten Urlaub finanzieren kann, sondern im Endeffekt, dass ich sage, ich muss fürs Alter vorsorgen
INVIOS GmbH: Mh. Mhm.
Falko Block: Und demzufolge ist mir eigentlich dann auch so kurzfristige Schwankungen egal, im Gegenteil. Man lässt auf jeden Fall die Sparbeiträge, die man hat, laufen und freut sich dann jedes Mal, wenn neu gekauft wird, zu günstigeren Preisen oder einer anderen Stelle habe ich schon mal gesagt, ach, da habe ich noch Restpotenzial. Da habe ich zum Beispiel den ETF-Sparplan mal aufgestockt oder einmal Beiträge reingepackt. Aber ansonsten bin ich da relativ entspannt und freue mich eher, dass ich dann entsprechend wieder günstiger einsteigen kann, weil wenn die Kurse einem davonrennen wird es natürlich immer teurer einzusteigen, weil irgendwann muss es auch mal runtergehen. ist ja auch klar. Deswegen das ist ja der Grund, den wir jetzt für die Korrektur haben, ist nicht schön. Keine Frage. Aber irgendwann war es ja mal der Fall, weil wir waren natürlich auch kurstechnisch und bewertungstechnisch sehr weit vorausgeschritten, was jetzt die Bewertung da anging. Und von daher würde ich einfach sagen, Füße stillhalten, dabei bleiben und sich vielleicht auch mal andere Dinge kümmern.
INVIOS GmbH: Ja. Mhm. Das passt sehr gut zu dem grundsätzlichen Block. marktneutral sich aufgestellt hat oder eben auch der geduldige Anleger, wie du es ja bist, aus der Erkenntnis heraus dann auch nicht nur intuitiv macht, sondern aus einer tiefen Überzeugung heraus. Ihr arbeitet viel mit Research, mit fundierten Analysen, mit langfristigen Trends, aber du hast ja gerade beschrieben, die Märkte verhalten sich kurzfristig irrational, komplett irrational. Wie gehst du damit persönlich wenn Marktbewegungen nicht zur Analyse passen? Was ist gefährlicher, eine falsche Analyse oder eine richtige Analyse? die man dann selber nicht durchhält.
Falko Block: Da ist natürlich die Frage, wenn ich als Privatperson bin, kann ich es mir leisten, langfristig auch mal einfach mal auszusitzen. Wenn ich Profi bin, zum Beispiel als Fondsmanager habe ich natürlich das Problem, spätestens nach einem halben Jahr muss ich einen Halbjahresbericht schreiben, nach einem Jahr muss der Ganzjahresbericht da sein und wollen natürlich die Anleger, dass ich auch dann die richtigen Werte drin habe. Das ist so bisschen die Krux an der ganzen Geschichte. Das heißt, auf der einen Seite, wenn man Profi ist, muss man kurzfristig reagieren, was gar nicht manchmal so sinnvoll ist.
INVIOS GmbH: Mh. Mh.
Falko Block: Deswegen würde ich eher dann die Privatanleger-Sicht nehmen und einfach sagen, was André Kostolany auch schon mal gesagt hat, Schlaftabletten nehmen, hinlegen und irgendwann werden sie, kaufen sie Aktien Schlaftabletten, irgendwann werden sie merken, sie sind reich. Aber das habe ich bei Amazon damals auch gemerkt. Es ist einfach wahnsinnig schwierig, dann zu sagen, nein, ich bleibe bei meinem Verkauf, ich bleibe dabei. Manches hat sich erst nachträglich dann eben als richtig erwiesen, aber bis dahin... wird man natürlich schon von den Kunden kritisiert nach dem Motto, da hätte man doch was ganz anderes machen sollen oder müssen und so weiter. Und deswegen ist natürlich der Profi da deutlich stärker gefangen als jetzt der Privatanleger, der einfach sagen kann, ach, ich lass auch mal zwei, drei Jahre laufen und dann ist es halt mal ein Minus. Ich hatte auch Positionen in meinem Portfolio, die haben lange Zeit sich überhaupt nicht entwickelt. Silber beispielsweise. Und plötzlich ist es einer der besten.
INVIOS GmbH: Mhm. Ja. Mhm.
Falko Block: Kurstreiber im Markt, heißt deswegen weiß man auch nie langfristig immer wo genau was passiert und man muss immer dabei sein. Energiewerte hat auch jetzt jahrelang keinen interessiert und plötzlich sind sie die High Flyer schlechthin und deswegen breit aufgestellt sein ist eigentlich immer das beste was man machen kann.
INVIOS GmbH: Ja. Ja, toll. Also breite Diversifikation. Was gehört noch dazu? Also was ich höre, mehr Wissen, auch finanzielle Allgemeinbildung. Da stehst du ja in vorderster Front und hilfst sehr, sehr vielen Anlegern dabei. Bessere Selbstkontrolle fällt dir noch ein Bias ein, also ein Fehler, den du gerne eliminieren würdest oder nur so hart gearbeitet hast, dass du ihn eliminiert hast. Ja. Gut. Ja.
Falko Block: Ja. Geduld, ist das Thema. Das ist jetzt nur ein ganz anderer Nebeneffekt. Ich habe zum Beispiel auch gelernt, wie ich Vorträge halte. Das mit dem Podcast hier, ist eher so ein Nebenprodukt, ich sage, macht mir Spaß, habe ich bisschen gelernt, dadurch, dass ich auf der Bühne zu stehen und Vorträge zu halten. Es gibt ja auch relativ viele Referenten oder sonstige, die läden mir ein. Die machen ein Äh am nächsten. Das ist sehr schwer rauszubekommen. Liegt meistens daran, dass die Leute nicht selbstbewusst sind, absolut bewusst eine Pause zu machen. Man muss das mal ausprobieren. Wenn man auf einer Bühne steht und man macht drei Sekunden Pause, das ist für den Gast, da unten sitzt, überhaupt kein Thema. Das ist sogar angenehm. Da kann man mal mental durchatmen. Man selbst steht da oben und denkt, ich habe jetzt eine halbe Stunde lang die Hände in den Taschen gehabt und habe nichts gemacht. Die Leute erwarten das nächste von mir. Einfach mal merken, ich würde jetzt an der Stelle ein Äh machen, einfach mal bewusst eine Pause machen. war jetzt eine halbe Sekunde und man denkt einfach, Gott, Gott, die denken, mein Bild ist eingefroren. Also einfach ruhig bleiben. Wie in vielen Dingen, wenn irgendwas nicht so klappt, wie man denkt, passiert mir manchmal selber natürlich auch im Privaten, dass man denkt, man wird dann unruhig und einfach mal sacken lassen, warten. Und deswegen Geduld. Das ist, glaube ich, das Größte. Das merke ich auch bei meinen Nachwuchskräften. wollen natürlich jetzt alle, die wollen jetzt alle reich werden. Ganz schnell in Anführungsstrichen. GameStop und Co. lässt grüßen. Der nächste Punkt, und du sagst es ja selber auch, wir reagieren da, hinten links oder hinten rechts, da ist der Säbelzahn-Tiger im Busch. Das ist es heutzutage nicht mehr. Deswegen, wir triggern natürlich das, was laut und toll und super klingt, darauf reagieren wir im Endeffekt. Aber ist es im Endeffekt eigentlich immer die Zeit, die für mich spielt?
INVIOS GmbH: Sehr wertvoller Hinweis. Das ist, glaube ich, wirklich der beste Erkenntnisschatz, den ich auch so nachvollziehen kann. Jetzt machen wir es aber trotzdem andersrum. Jetzt wollen wir deine Amygdala und die Inferiore Insula anfeuern. Generell machen wir immer so zum Ende hin sogenannten in unserem Blog Quickfires. Das heißt also, nehmen uns zwei Minuten Zeit, kurze Fragen, kurze Antworten. Bist du bereit?
Falko Block: Ich probier's.
INVIOS GmbH: Gut, Komplexität. Ist das eher eine Chance oder ein Risiko?
Falko Block: wenn man es versteht.
INVIOS GmbH: Mehr Fehler entstehen durch.
Falko Block: zu viel Informationen aufzusaugen und dann nachher nicht mehr wissen, wo stehe ich.
INVIOS GmbH: Und wenn man es auf Aktivität bezieht, zu viel Aktivität oder zu wenig Aktivität? Was ist schädlicher?
Falko Block: Ganz klar zu viel Aktivität. Hin und her macht Taschen leer.
INVIOS GmbH: Ok, beste Entscheidung deiner Karriere?
Falko Block: mich nochmal auf das Risiko und das Abenteuer Social Media einzulassen.
INVIOS GmbH: Sehr schön. Und was war die schlechteste Entscheidung?
Falko Block: Ich dass ich selber in Immobilienaktien investiert habe, derzeit zumindest.
INVIOS GmbH: Du bist erfrischend ehrlich. Ein Satz über deine Zertifikat oder Börse, den du definitiv nicht mehr hören kannst.
Falko Block: Das ist doch alles Spielcasino.
INVIOS GmbH: Falko, wenn unsere Hörer heute nur eine Sache mitnehmen dürfen, was wäre das deiner Meinung?
Falko Block: Zeit spielt für dich. Fange so früh an wie möglich. Das erste Jahr ist nicht entscheidend, das letzte, bevor du dann dein Geld aus dem Markt ziehst, das ist relevant.
INVIOS GmbH: Vielen Dank für diesen Einblick. Das war Kapitalmarkt, voll mit psychologischen, sehr wertvollen Ansätzen und an alle Zuhörer mehr Information, machen sie nicht reich. Wir haben es gehört, bessere Entscheidungen schon. Bis zum nächsten Mal beim Börsenbrain.
Falko Block: Danke dir.
INVIOS GmbH: Ich danke dir, Falko.
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